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Grevenbroich
Azubis stärken ihre Sozialkompetenz

Grevenbroich: Azubis stärken ihre Sozialkompetenz
Auszubildende und Vertreter der sozialen Organisationen haben sich jetzt über ihre Praktikumserfahrungen ausgetauscht. Alle sind der Meinung: Das Projekt bringt wirklich etwas. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Das Grevenbroicher Hydro-Werk hat seine Auszubildenden für mehrtägige Praktika in soziale Projekte und Einrichtungen in der Stadt vermittelt. Die Erfahrungen sind bei allen Beteiligten positiv. Von Julia Hagenacker

Für Jasper Wadenpohl war es eine Erfahrung, an die er sich ein Leben lang erinnern wird. Mehrere Tage hat er Ende vergangenen Jahres als Praktikant im "AHG Therapiezentrum Haus Welchenberg" verbracht - und eine ganz neue (Arbeits-)Welt kennengelernt. Eine, in der Menschen leben, deren Leben die Sucht nach Alkohol und Drogen bestimmt; mit Patienten, die den Alltag nur mit Hilfe und Unterstützung packen. Ihnen hat er geholfen, leere Freizeit mit Sinn zu füllen. "Ich weiß jetzt, dass es in so einer Situation sehr schwer ist, sich zu öffnen", sagt Jasper Wadenpohl. "Trotzdem, oder gerade deshalb, hat mir die Arbeit im Therapiezentrum sehr viel Spaß gemacht." Dabei hat der angehende Industriemechaniker beruflich mit Sozialem eigentlich gar nichts zu tun.

Als Auszubildender des Grevenbroicher Hydro-Werks ist er Teil eines mittlerweile in zweiter Runde stattfindenden Arbeits- und Sozialkompetenzprojekts. Sein Arbeitgeber hat ihn und mehr als 20 weitere Lehrlinge aus einem Ausbildungsjahrgang in Kooperation mit der Grevenbroicher Tafel, mit dem Seniorenhaus Lindenhof, dem Caritashaus St. Barbara, dem städtischen Forsthof und mit Haus Welchenberg in soziale Projekte und Einrichtungen vermittelt. Auch aus den Nachbarwerken sind Azubis beteiligt. Alle Praktika finden während der Arbeitszeit statt.

"Der Plan dahinter ist schnell erklärt", sagt Jörg Schröder, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei Hydro. "Wir wollen das soziale Bewusstsein, Empathie und Engagement bei unseren Auszubildenden stärken." Bei den Kooperationspartnern kommt die Idee jedenfalls sehr gut an. "Während eines solchen Praktikums lernen junge Menschen Toleranz, also - nicht mit Vorurteilen auf andere Menschen zuzugehen", sagt Diplom-Sozialpädagogin Kerstin Wilcke, stellvertretende Leiterin im Haus Welchenberg. Dass der Auszubildende Jasper Wadenpohl keinen sozialen, sondern einen technischen Beruf erlerne, sei während der gemeinsamen Arbeit niemandem aufgefallen.

Vorlesen, gemeinsam singen oder einfach nur da sein und zuhören: Das, zum Beispiel, war Arbeitsalltag der Praktikanten im Seniorenhaus Lindenhof. Nach dem Dachstuhlbrand im vergangenen Jahr sind die Bewohner bis heute auf verschiedene Einrichtungen verteilt, die Auszubildenden waren an den Ausweichorten eingesetzt. "Das Feuer und die Ungewissheit, wann sie in den Lindenhof zurückziehen können, hat die Bewohner besonders in der Vorweihnachtszeit beschäftigt", sagt Pflegedienstleiterin Barbara Nieskens. "So gesehen war es der passende Zeitpunkt für das Projekt. Abgesehen davon ist so etwas immer eine Bereicherung für die Bewohner, denn die Zeit, die die jungen Menschen mitbringen, ist zusätzliche Zeit, und die ist wertvoll."

Auch für die Azubis. "Wie nachhaltig so eine Erfahrung tatsächlich sein kann, werden einige vielleicht auch erst in drei bis vier Jahren wissen", sagt Hydro-Unternehmenssprecher Michael Peter Steffen. "Wichtig ist für uns der Blick über den Tellerrand."

Quelle: NGZ
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