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Grevenbroich
Bäcker-Azubis sind eine Rarität in Grevenbroich

Grevenbroich: Bäcker-Azubis sind eine Rarität in Grevenbroich
Blick in eine der letzten traditionellen Backstuben der Stadt (v.l.): die Azubis Christian Lange und Jean-Pierre Lys mit Bäckermeister Günter Pesch. FOTO: A. Tinter
Grevenbroich. Laut Handwerkskammer starteten zum 1. August stadtweit gerade einmal drei junge Bürger in Bäcker-Ausbildungen - zwei in Kapellen. Von Christian Kandzorra

Lange ausschlafen und dann beim Bäcker frische Brötchen zum Frühstück holen: So entspannt beginnt für viele Deutsche der Sonntag. Deshalb ist der siebte Tag der Woche auch für Bäckermeister Günter Pesch aus Kapellen so wichtig: Denn sonntags kommen die Kunden für frische Brötchen und für andere Waren wie Kuchen oder Torten, die sie später beim Kaffee genießen wollen. Das bedeutet für ihn und seine Mitarbeiter: Extrem früh aufstehen. Gegen 1.15 Uhr in der Nacht starten die Männer in der Backstube in ihren Arbeitstag. An normalen Wochentagen beginnen sie zwischen 2.30 und 3.30 Uhr mit der Arbeit. Das ist anstrengend und sicher auch ein Grund, warum viele Bäckereien große Schwierigkeiten haben, Auszubildende zu finden. Gerade einmal vier Azubis zählt die Handwerkskammer Düsseldorf in Grevenbroich, drei dieser Nachwuchskräfte haben zum 1. August angefangen.

Zwei der jungen Männer sind seit einer Woche als Auszubildende in der Backstube von Günter Pesch beschäftigt. "Wir hatten noch nie Probleme, unsere Ausbildungsstellen zu besetzen. Angehende Azubis müssen bei uns aber immer im Vorfeld ein Praktikum machen", erzählt Günter Pesch, dem Pünktlichkeit, Hygiene und Zuverlässigkeit sehr wichtig sind. "Wenn ein Bäcker ausfällt, haben wir keine Reserve. Bevor ich also einen Azubi einstelle, muss ich ihn erst einmal genau kennenlernen. Es muss einfach passen." Bisher hat es immer irgendwie gepasst. Natürlich hat Pesch auch schon Interessenten abgelehnt, doch in seiner Backstube konnte der 67-Jährige bisher immer sein Wissen an junge Leute weitergeben.

Es gibt in Grevenbroich aber auch Bäckereien, die verzweifelt neue Kräfte suchen und gerne ausbilden würden. Doch viele traditionelle Betriebe berichten, dass es schlichtweg an Bewerbern fehle. Manche starten sogar bei Facebook Aufrufe und werben für Ausbildungen in ihren Betrieben. "Insgesamt ist die Zahl der Ausbildungen im Bäckerhandwerk rückläufig. Im Jahr 1995 haben wir zum 31. Dezember 483 Auszubildende in unserem Kammerbezirk gezählt. Ende vergangenen Jahres waren es nur noch 284", sagt Anja Kuczawski von der Handwerkskammer Düsseldorf. Im Rhein-Kreis Neuss arbeiteten ihren Zahlen zufolge derzeit 19 Bäcker-Azubis. "Das ist jedoch nur eine Momentaufnahme", sagt Kuczawski. Die Zahl könne sich in den nächsten Wochen noch verändern und steigen oder sinken, sofern Bäckereien neue Azubis einstellen können oder sich andere dazu entscheiden, ihre Ausbildungen abbrechen.

Bäckermeister Günter Pesch aus Kapellen zählt mit seinen beiden 16 Jahre alten Nachwuchskräften zu den Bäckern, die Glück haben und die Azubis als Chance sehen, den Betrieb weiter auszubauen. Einer der Auszubildenden, die er jetzt neu eingestellt hat, ist sein Enkel. "Ich hoffe, dass er die Bäckerei eines Tages übernehmen wird - und dass sich das Geschäft dann auch noch lohnt", sagt Pesch, der ein Mann der klaren Worte ist. Er sagt offen: "Das Bäckerhandwerk hat im Prinzip kaum mehr eine Zukunftschance. Woher die Backwaren kommen, die die Menschen essen, interessiert sie kaum noch." Er müsse diesen Wandel akzeptieren, würde sich jedoch wünschen, dass die Menschen wieder bewusster leben. "Heute essen viele Pizza oder Döner zu Abend. Wo gibt es denn schon noch das klassische Abendbrot", fragt er.

Quelle: NGZ
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