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Barrensteiner Bar
Aus Grevenbroich an die Spitze der deutschen Whiskybars

Aus Grevenbroich an die Spitze der deutschen Whiskybars
Grevenbroich. Seit sieben Jahren betreibt Werner Hoffrichter in einem 750-Seelen Dorf am Rand von Grevenbroich die "Barrensteiner Whiskybar". Gerade wurde sie mit dem "Germany's Best Whisky Award" zur besten bundesweit gekürt. Wieso eigentlich? Von Clemens Boisserée und Dominik Jungheim (Video)

Werner Hoffrichters Büro ist ein Paradies für Alkohol-Liebhaber. Vom Boden bis zur Decke sind die Wände mit Flaschen vollgestellt, gefüllt mit Schnaps. Whisky um genauer zu sein. Single Malt Whisky, um es ganz genau zu machen. Aus Japan kommt der Inhalt, aus Irland auch, vor allem aber aus Schottland. Über 500 verschiedene Spirituosen hat Hoffrichter hier gelagert, "ich habe alle getestet", sagt der 59-Jährige.

Wie viel Whisky der gebürtige Leverkusener in seinem Leben schon getrunken hat, das weiß er selbst nicht mehr. "Viel", sagt er. Aber auch: "Das ist schon manchmal echte Arbeit." Denn auch wenn die schottisch-irische Spezialität seine große Leidenschaft ist, "ganz wichtig beim Whisky ist die Atmosphäre, in der man ihn trink." Das eigene Büro gehöre da nicht zu – und vom Alkoholismus ist Hoffrichter, wie er sagt, weit entfernt - trotz des Hobbys, das mittlerweile auch Beruf ist.

Vor zehn Jahren gab der studierte Ingenieur seine Festanstellung in der freien Wirtschaft auf und kaufte mit seiner Frau einen alten Bauernhof im Grevenbroicher Stadtteil Barrenstein. Von Whisky ist da noch keine Rede, viel mehr fordert die Frau des Hauses ein eigenes Refugium, um der ersten Leidenschaft des Mannes aus dem Weg gehen zu können. "Meine Frau konnte mein Dudelsack-Spiel nicht mehr ertragen", sagt Hoffrichter und lacht.

Werner Hoffrichter (59) in seiner Barrensteiner Whisky-Bar. FOTO: LBER

Vom Ingenieur zum Dudelsack-spielenden Wirt

Denn: "Mit dem Dudelsack fing alles an", sagt der Gastgeber. Vor 25 Jahren nahm er erstmals Unterricht auf dem ungewöhnlichen Instrument, heute spielt er den Gästen seiner Bar schon mal kölsche Karnevalslieder vor und gibt auch selbst Dudelsack-Unterricht.  Einer seiner Schüler war es, der ihn auf die Idee einer eigenen Kneipe brachte. "Wir hatten die benachbarte Scheune in ein gemütliches Wohnzimmer im britischen Stil umgebaut. Der Schüler fragte, ob er die Scheune mal für eine Feier mieten könne", erzählt Hoffrichter. Der ging noch einen Schritt weiter und ließ sich von der Stadt direkt eine Schankerlaubnis ausstellen.

Sieben Jahre später steht Hoffrichter in Frankfurt auf Europas Whisky-Messe und hält den "Germany's Best Whisky Award" in den Händen - die wichtigste Auszeichnung seiner Branche. Schon in den Vorjahren hatte er es unter die Top drei der bundesweit rund 1300 Bars geschafft, "da war ich schon enttäuscht, jetzt wollte ich mal gewinnen", sagt der Wahl-Barrensteiner mit einem Schmunzeln. Er weiß auch: Angesichts der vielen Bars in den Großstädten, hat es manch Konkurrent deutlich schwerer, in den Fokus zu kommen. 

Werner Hoffrichter aus Barrenstein bietet nicht nur Verkostungen an, sondern sorgt mit dem Dudelsack auch für den passenden Sound. FOTO: Lothar Berns

Wieso die Barrensteiner Whiskybar die beste im Land ist

Das nun Grevenbroich zum Mekka der Whisky-Fans gewählt wurde, ist für die Verantwortlichen jedoch eine Entscheidung aus Überzeugung. "Die Barrensteiner Bar ist etwas ganz besonderes, eine echte Liebhaber-Adresse", sagt Heinfried Tacke. Seit elf Jahren recherchiert er als Autor für den alljährlichen "Whisky-Guide" die besten Adressen des Landes, die Expertise seines Teams ist ausschlaggebend für die Award-Verleihung. "Wir haben ihn ja ein wenig beobachtet und er ist jedes Jahr besser geworden. Die Beratung, das Sortiment, die Gestaltung der Bar – überall gab es dieses Jahr Top-Bewertungen", fasst Tacke zusammen, wieso die Auszeichnung nun an Hoffrichter ging.

In gerade mal sieben Jahren an die Branchen-Spitze – das ist außergewöhnlich. Der Erfolg basiert vor allem auf Liebe zum Detail und Authentizität. Die ehemalige Scheune gleicht mittlerweile einem britischen Pub, das Kaminfeuer knistert, auf den Tischen stehen ausgewählte Whisky-Flaschen, für Biertrinker gibt es Cider oder Guinness, die Wände sind mit Wimpeln, Postern oder Fass-Deckeln aus Irland und Schottland dekoriert.

Maximal 24 Plätze, nur freitags und samstags geöffnet

"Wir waren früher totale England-Fans. Durch den Dudelsack und die Bar reisen wir mittlerweile aber jedes Jahr nach Schottland. Dort suche ich nach neuen Stücken für die Dekoration und natürlich nach guten Whiskys", sagt Hoffrichter. Der Wert seines Sortiments liegt mittlerweile im sechsstelligen Bereich. Die teuerste Flasche liegt bei über 2000 Euro. "Das sind dann besonders alte und seltene Flaschen – die schmecken aber nicht 40 mal besser als ein 50 Euro-Whisky", sagt Hoffrichter.

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Täglich kommen Spediteure oder die Post und bringt neues Sortiment, geöffnet ist die Bar aber nur freitags und samstags. Die maximal 24 Plätze für die dann angebotenen Verköstigungen sind Wochen im Voraus ausgebucht, die Gäste kommen meist aus dem Umkreis von 100 Kilometern, aber auch mal extra aus der Schweiz. Hin und wieder lädt Hoffrichter zu Livemusik-Abenden oder bietet externe Whisky-Taskings an. "Das reicht, um gut leben zu können", sagt er selbst. Der Rheinländer hat mit der Bar seinen ganz eigenen Traum verwirklicht. Hier tut und lässt er, was er für richtig hält und wie es zu seinem Leben passt. Er sagt: "Ich war mal Ingenieur, jetzt bin ich Wirt." 

 
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