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Grevenbroich
Bauern sollen Pflanzen für Medizin anbauen

Grevenbroich: Bauern sollen Pflanzen für Medizin anbauen
Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz präsentierten gestern das Demonstrations-Feld auf der Königshovener Höhe. Unterstützt wird das Projekt von der Innovationsregion Rheinisches Revier. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Auf der Königshovener Höhe ist ein Feld mit Arznei- und Gewürzmittelpflanzen angelegt worden. Dort sollen alternative Erwerbsmöglichkeiten für Landwirte untersucht werden. Der Acker zählt zu den Strukturwandel-Starterprojekten. Von Wiljo Piel

Fenchel, Borretsch, Schabzigerklee und Pfefferminze - diese Zutaten für Kräutertees, Käse und Gewürzbrot wachsen jetzt auf der Königshovener Höhe. Eine Seltenheit im Rheinland, wo Arznei- und Gewürzpflanzen bisher eher in den Regalen von Supermärkten und Apotheken zu finden sind. Das ein Hektar große Feld auf der Halde ist eines von insgesamt zehn Strukturwandel-Starterprojekten, das von der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) unterstützt wird. Erklärtes Ziel dieses noch in den Kinderschuhen steckenden Vorhabens ist es, heimischen Landwirten in den nächsten Jahren alternative Erwerbsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Aber nicht nur: "Dieses Projekt leistet auch einen Beitrag zum Erhalt unserer vielfältigen, artenreichen Kulturlandschaft und soll langfristig die Versorgung mit hochwertigen Rohstoffen für die Arznei- und Gewürzherstellung sichern", sagt Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die das Demonstrations-Feld auf der Hochhalde initiiert hat.

Damit das gelingt, wird getestet, wie ein geeignetes Anbausystem aussehen könnte. Um dies umfassend zu beleuchten, wurden Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Landwirtschaft und Naturschutz zusammengebracht. Dazu zählen die RWE Power, die Versuchsflächen zur Verfügung stellt, die Universität Bonn mit Know-How in Sachen Arzneipflanzen-Anbau und die Landwirtschaftskammer NRW.

Das überschaubare Feld mit den für die Region seltenen Pflanzen wurde schon im Frühjahr angelegt. Fenchel, Minze und Co. gedeihen bereits, doch richtig gestartet ist das Vorhaben auf dem ehemaligen Tagebaugebiet noch nicht. Denn die Suche nach Förderern, die das Projekt finanziell unterstützen sollen, ist noch im Gange. "Wir brauchen zwischen 300.000 und 400.000 Euro, um weitere Anbaukulturen und Modellbereiche aufzubauen", sagt Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung. Man sei derzeit aber in guten Gesprächen mit der "abnehmenden Hand", also auch mit Arzneimittelherstellern.

Mehr als 90 Prozent des Demonstrations-Ackers nimmt der bis zu zwei Meter hoch wachsende Fenchel ein, der relativ anspruchslos ist und auf nahezu allen Böden gedeiht. In ganz Nordrhein-Westfalen wird diese Pflanze bislang nur auf Flächen von 25 bis 30 Hektar angebaut. "Er würde sich für Landwirte gut als Einstieg in den Arznei- und Gewürzpflanzenbau eignen", sagt Hanna Blum vom Campus Klein-Aldendorf der Universität Bonn. Abnehmer seien vor allem Hersteller von Babynahrung. Bei Borretsch und Schabzigerklee sehe es schon etwas anders aus: "Die Pflanzen erfordern eine Spezialkenntnis und eine gewisse Risikobereitschaft", sagt Blum. Zudem sei eine gute Beratung notwendig.

Bei Letzterem wird vor allem die Landwirtschaftskammer NRW einsteigen, signalisierte deren Sprecher Kurt Graaff: "Das Ganze wird nur funktionieren, wenn gute Berater da sind. Von selbst würden sich die Landwirte nicht an diese Dinge herantrauen." Was sich Graaff von dem Experiment auf der Königshovener Höhe erhofft: Nicht nur die Produktion, "sondern auch die Kette danach" müsse stimmen.

Quelle: NGZ
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