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Grevenbroich
Baugebiet - zur Nachahmung empfohlen

Grevenbroich: Baugebiet - zur Nachahmung empfohlen
Ein Teil von Neu-Kapellen aus der Luft. Im Randbereich nordwestlich der Straße "Auf den Hundert Morgen" ist ein Gewerbegebiet entstanden, in dem sich 15 Unternehmen mit etwa 300 Arbeitsplätzen angesiedelt haben. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Mit der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme "Kapellen" hat die Stadt vor 16 Jahren einen ganz neuen Weg zur Schaffung von Wohn- und Gewerbeflächen eingeschlagen. Jetzt sind die letzten Grundstücke vermarktet. Das Fazit fällt positiv aus. Von Julia Hagenacker

Es ist eine der umfangreichsten Ortserweiterungen, die Grevenbroich jemals in Angriff genommen hat. In den vergangenen 16 Jahren ist an der A 46, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Neuss, ein quasi komplett neuer Stadtteil entstanden. Jetzt ist er so gut wie ausgewachsen, die letzten beiden Grundstücke sind optioniert. Zeit also, ein Resümee zu ziehen. Und das fällt durchweg positiv aus, denn mit dem Satzungsbeschluss zur städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme "Kapellen" im Jahr 2000 hat die Stadt einen ganz neuen Weg eingeschlagen.

Ihn zu beschreiten, hat länger gedauert, als ursprünglich gedacht. "Unser Ziel, einen attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort mit der dazugehörigen Infrastruktur zu schaffen, haben wir aber erreicht", sagt Dorothea Rendell, Fachbereichsleiterin Stadtplanung und Bauordnung, heute. Auch, wenn es immer wieder kleine und größere Rückschläge gab.

Die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ist ein Instrument des besonderen Städtebaurechts, bei der die Gemeinde nicht nur die Planung, sondern auch die Realisierung übernimmt. Weil dadurch mehr als sonst im Planungsbereich üblich in das Eigentumsrecht der Alteigentümer eingegriffen wird, ist das Ganze an strenge Voraussetzungen geknüpft, für deren Überprüfung das Oberverwaltungsgericht zuständig ist. So muss die Stadt zum Beispiel ein öffentliches Interesse an der Entwicklung nachweisen. In Grevenbroich war das ein erhöhter Wohn- und Gewerbeflächenbedarf, der sich, wie Ralf Müller aus dem Bürgermeisterbüro betont, "über eine klassische Baulandentwicklung nicht bewältigen ließ". Der Vorteil sei, dass sich ein Gebiet so koordiniert planen und im Idealfall zügig realisieren lässt. Und das funktioniert so: "Die Stadt erwirbt die Grundstücke zum entwicklungsunbeeinflussten Wert, entwickelt und veräußert sie", erklärt Dorothea Rendell. "Die Einnahmen beziehungsweise Gewinne dürfen dann ausschließlich für die Realisierung der Maßnahme verwendet werden. Zur Umsetzung kann sich die Kommune eines Entwicklungsträgers bedienen, der treuhänderisch für sie tätig wird." Für Kapellen wurde die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) aus Wiesbaden beauftragt. Der Rest ist Geschichte.

Auf insgesamt 34 Hektar erstreckt sich mittlerweile das Gebiet zwischen der Bahnlinie Neuss-Horrem und der Straße "Auf den Hundert Morgen". Rund 14,5 Hektar sind mit Wohnhäusern belegt, rund 2,7 Hektar mit Gewerbebetrieben, und auf rund 2,5 Hektar wird sowohl gelebt als auch gearbeitet (Mischgebiet). Hinzu kommen 7,6 Hektar öffentliche Verkehrs- und rund 6,7 Hektar Grünflächen.

Die Fläche wurde in zwei Bauabschnitten entwickelt. Im ersten entstanden etwa 324 Wohneinheiten, im zweiten 212: 50 Prozent davon in Form von freistehenden Einfamilien- und Doppelhäusern, 23 Prozent als Reihenhäuser und etwa 19 Prozent im Geschosswohnungsbau. Zum 30. Juni lebten 1450 Menschen in Neu-Kapellen. "87 Prozent sind jünger als 46 Jahre, 49 Prozent jünger als 19", sagt Rendell. "Das Ziel, junge Familien anzusiedeln, haben wir also erreicht. Sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, ist so eine Maßnahme sicher auch für andere Kommunen ein geeignetes Mittel zur Flächenentwicklung."

Quelle: NGZ
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