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Grevenbroich
Blindgänger lag 75 Jahre unter der Erde

Grevenbroich: Blindgänger lag 75 Jahre unter der Erde
Sie unterbrachen die Zündkette und machten die entschärfte Bombe bereit für den Abtransport: Dirk Putzer (links) und Markus Schmitz vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Der Zünder war nur schwer von fester Erde zu befreien. FOTO: hogekamp
Grevenbroich. Exakt 32 Minuten dauerte die Entschärfung einer fünf Zentner schweren Weltkriegsbombe, die gestern Mittag neben der Esso-Tankstelle in Elsen gefunden worden war. 1700 Menschen mussten ihre Häuser verlassen - ein Mann unter Zwang. Von Christian Kandzorra

Die britische Fünf-Zentner-Bombe hätte ungünstiger kaum liegen können: Der Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg lag "bombenfest" mit der Spitze nach oben etwa vier Meter tief in festem Erdreich unter einem Baum neben der Esso-Tankstelle - mit dem Heckaufschlagszünder nach unten. Das hat es den Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Düsseldorf nicht gerade leicht gemacht.

Am Ende lief aber alles glatt: "Entwarnung" hieß es um genau 16.45 Uhr - exakt 32 Minuten nach Start der Entschärfung. Der Mann an der Bombe: Dirk Putzer. Der 51-Jährige machte den Blindgänger unschädlich, in dem er aus sicherer Entfernung den Zünder mit einer Seilscheibe vorsichtig herausdrehte. "Es war gar nicht so einfach, den Zünder von der harten Erde zu befreien. Das Herausdrehen an sich lief problemlos", sagte der Experte kurz nach der geglückten Aktion.

Bevor Dirk Putzer das "Go" zum Start der Entschärfung erhielt, mussten 1700 Elsener ihre Häuser verlassen. Die Fundstelle wurde in einem Radius von 300 Metern komplett evakuiert - davon betroffen war auch ein Lebensmitteldiscounter an der Düsseldorfer Straße.

"Prophylaktisch" blieben zwei Kitas und eine Grundschule gestern Morgen geschlossen; die Stadt hatte sich auf den Fund bereits vor Tagen einstellen können. Das galt auch für die betroffenen Anwohner. Den Anweisungen der Behörden, die Häuser zu verlassen, sollen sich drei Bewohner widersetzt haben - ein Mann kam nach Auskunft des Einsatzleiters Sebastian Johnen erst aus seiner Wohnung, nachdem der Schlüsseldienst diese geöffnet hatte. Er soll sich nach Eintreffen der Polizei einsichtig gezeigt haben.

Insgesamt jedoch lief die Evakuierung nach Plan. Das gilt auch für die L 116, die zwischen der Zufahrt zur Gierather Straße und der Autobahn-Anschlussstelle Gustorf für etwa eine Stunde gesperrt blieb, da sie im Gefahrenbereich lag. Für den reibungslosen Ablauf der Sperrung und der Evakuierung sorgten laut Stadtsprecher Robert Jordan knapp 200 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und der Stadtverwaltung. Rund 30 Bürger sollen für den Zeitraum der Evakuierung in einer Betreuungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes am Hagelkreuz untergekommen sein, dabei handelte es sich in erster Linie um ältere und zum Teil gehbehinderte Menschen, die zuvor von den Hilfskräften abgeholt worden waren.

Die entschärfte Bombe wird jetzt zwischengelagert und in einen Spezial-Betrieb gebracht, der sie zerlegt und endgültig beseitigt. "In den Zünder ist das Produktionsdatum der Bombe eingraviert", sagte Bombenentschärfer Dirk Putzer. Am 30. April 1943 ist sie demnach hergestellt und vermutlich kurz darauf über Grevenbroich abgeworfen worden. Obwohl sie außen extrem korrodiert ist, beweist der nahezu unversehrt gebliebene Zünder: Der Sprengkörper war voll intakt. So war es auch bei drei Bomben, die im Oktober 2015 nahe des Industriegebietes Ost gefunden worden waren. Dort hatte Dirk Putzer für die Entschärfung von gleich drei Bomben nur 31 Minuten gebraucht. Für ihn ist das Nebensache - er will die Gefahren beseitigen. Der gestrige Fund in Elsen zeigt: Die aufwendige Bombensuche auf dem Areal neben der Tankstelle hat sich gelohnt.

Quelle: NGZ
 
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