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Grevenbroich
Bogenschützen wollen auf "Bärenjagd" gehen

Grevenbroich. Der Verein "Free Bow Hunters" will in einem Waldstück an der Erft trainieren. Die Stadt besteht auf eine Änderung des Nutzungsplanes. Von Christian Kandzorra

Detlef Folgert ist Bogenschütze aus Leidenschaft - und steht mit der Begeisterung für Pfeil und Holzbogen längst nicht mehr alleine da: Seit etwa zwei Jahren verzeichnet der Kreis von Hobby-Bogenschützen im Raum Frimmersdorf, die auf 3D-Tiermodelle zielen, großen Zulauf.

Immer mehr Interessenten melden sich bei dem 54-Jährigen, der gemeinsam mit Stefan Faßbender im Dezember vergangenen Jahres die Initiative ergriff und den Verein "Free Bow Hunters" (Freie Bogenschützen) Frimmersdorf gegründet hat. Klingt mustergültig, wäre da nicht ein kleiner Haken: Dem Verein fehlt bis heute eine Fläche, auf der die Mitglieder den außergewöhnlichen Sport ausüben können.

Abhilfe soll jetzt ein zwei Hektar großes Waldstück nordwestlich von Frimmersdorf schaffen, das eingekesselt zwischen Bahnanlagen und der Erft liegt. "Dort stören wir niemanden, das Waldstück ist auch nicht einsehbar", erklärt Detlef Folgert, der in der Sache kurzerhand Kontakt zu RWE Power aufgenommen hat. "Denn das Gelände liegt zwischen den Werksanlagen", sagt der Frimmersdorfer.

Das Unternehmen habe nichts gegen die Aktivitäten der Bogenschützen - doch die Frimmersdorfer "Free Bow Hunters" haben sich zu früh gefreut. Das Problem: RWE Power hat das Areal lediglich bis zum Jahr 2057 gepachtet, Eigentümerin ist weiterhin die Stadt Grevenbroich. Und die besteht auf eine Änderung des Flächennutzungsplans von einem Waldstück in eine Sportanlage, wenn die Schützen dort trainieren wollen.

Zwischendurch landete das Anliegen des Vereins sogar beim Bauamt - dabei wollen die Hobby-Bogenschützen um Detlef Folgert weder einen Baum fällen, noch etwas auf dem Gelände bauen. Vielmehr geht es um die plastischen Tiere, die der Verein gerne im Waldstück stehen lassen möchte. "Denn die sind mit bis zu 100 Kilo ganz schön schwer", sagt Folgert. Auf die Änderung des Flächennutzungsplans mit entsprechendem Bürokratie-Aufwand wollte sich die RWE Power AG als Pächterin allerdings nicht einlassen - das gesamte Projekt drohte zu scheitern.

"Bis ich eine Dringlichkeitsmail an Bürgermeisterin Ursula Kwasny geschickt habe. Am Runden Tisch konnten wir uns schließlich einigen. Die Stadt zieht mit, RWE Power auch", sagt Detlef Folgert. Doch: Was nicht ausbleibt, ist jede Menge Papierkram. Inzwischen hat es das kleine Waldstück an der Erft in den Planungsausschuss geschafft, der am Dienstag über die Flächennutzungsänderung entscheiden soll.

Der Verein muss sich im Ausschuss erneut präsentieren. "Die Vereinsaktivitäten machen jedoch nur Sinn, wenn wir auch über ein Trainings-Areal verfügen", sagt der 54-Jährige, der für den Bürokratie-Akt nur wenig Verständnis hat.

Wenn die Mitglieder im Planungsausschuss für die Änderung des Flächennutzungsplanes stimmen, hat sich die Sache aber noch längst nicht erledigt: Denn nicht nur der Ausschuss muss grünes Licht geben. Auch der Stadtrat - und schließlich sogar die Bezirksregierung müssen die Änderung absegnen. Bis die Schützen das Gelände tatsächlich nutzen können, könnte so noch ein Jahr vergehen.

Quelle: NGZ
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