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Unterbringung für Obdachlose in Grevenbroich
Bürgermeister Krützen diskutiert über Schlaf-Container

Unterbringung für Obdachlose in Grevenbroich: Bürgermeister Krützen diskutiert über Schlaf-Container
Aussprache im Rathaus: 17 Bürger - die meisten von der Initiative "Grevenbroich packt an", die sich für Obdachlose engagiert - sprachen mit der Verwaltungsspitze auch über die abgelehnten Schlafcontainer. anja tinter FOTO: Tinter Anja
Grevenbroich. Manchmal sind Behörden-Entscheidungen zunächst nur schwer nachvollziehbar. So ist es auch bei der Diskussion um die abgelehnten Container, die eine Firma der Stadt zur Unterbringung von Obdachlosen für drei Monate kostenfrei angeboten hatte. Von Christian Kandzorra

Das zeigt sich vor allem in hitzigen Debatten bei Facebook, in denen immer wieder auch Hasskommentare auftauchen. Um Klarheit zu schaffen, erläuterte Bürgermeister Klaus Krützen die Entscheidung der Stadt am Samstag bei einer Extra-Sprechstunde im Rathaus. Mit dabei: einige Mitglieder der Initiative "Grevenbroich packt an" (GPA).

Gleich zu Beginn betonte GPA-Gründerin Jana Adam, dass sich ihre Initiative von der Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die Stadt distanziere, die an Weihnachten von einem Mann aus Jüchen gestellt worden war. "Wir stehen für einen offenen Dialog", sagte Adam und überreichte dem Bürgermeister einen Blumenstrauß.

Interessant: Diejenigen, die die schärfsten Kommentare gegen die Stadtverwaltung bei Facebook gepostet hatten, waren nicht ins Rathaus gekommen. Klaus Krützen bezeichnete sie als "Feiglinge". Dennoch: Bei der zweieinhalbstündigen Aussprache im Rathaus hatten er sowie Dezernent Claus Ropertz und Hartmut Deussen vom Fachbereich Soziales Mühe, um Verständnis für die Ablehnung der Container zu werben. Der Bürgermeister begründete: "Sobald Menschen ins Spiel kommen, ist die Bauaufsicht zwingend dabei. Wenn wir Container aufstellen, müssen wir eine Infrastruktur schaffen."

Dazu zähle abgesehen von Duschen und Toiletten auch die Betreuung der Menschen, die mit großem finanziellen Aufwand verbunden sei. Da sich das Angebot lediglich auf drei Monate bezogen habe, wären die Container unter Einhaltung behördlicher Verpflichtungen de facto nur sechs Wochen nutzbar gewesen. Immer wieder war zudem gefordert worden, die leerstehenden Flüchtlingszelte am Hagelkreuz für Obdachlose zu öffnen. Laut Bürgermeister könnten diese jedoch nicht belegt werden, weil für sie das gleiche Betreuungsprinzip gelte. Zudem müsse die Stadt ständig mit neu ankommenden Flüchtlingen rechnen.

Gleichwohl betonten der Verwaltungschef und seine Kollegen: "Bei uns wird kein Obdachloser abgewiesen." Laut Hartmut Deussen ist außerhalb der Öffnungszeiten des Sozialamtes der Telefonanschluss 02181 6080 besetzt, unter dem sich Betroffene melden können. Sie sollen noch am selben Tag untergebracht werden. Ein Fall, in dem die Unterbringung erst nach sechs Tagen geglückt sein soll, soll nun aufgearbeitet werden. Angesprochen auf den teils desolaten Zustand der 21 Zimmer in der Obdachlosenunterkunft am Rittergut in Noithausen sagte Krützen zu, Kommunalpolitiker auch für den Bau neuer Unterkünfte sensibilisieren zu wollen. Zudem wolle die Stadt die Aufstellung der Container für den nächsten Winter in Betracht ziehen - sofern ein Angebot frühzeitig komme.

Jana Adam ist der Meinung, dass Container die Lage zumindest entzerren könnten. Sie zieht aus der Sprechstunde ein positives Fazit: "Sie hat gezeigt, dass es eine gute Basis für Gespräche zwischen Stadt und GPA gibt." Für die Arbeit ihrer Initiative erhielt sie eine 800-Euro-Spende der Gustorferin Roswitha Heilmann, die mit ihrem "Weihnachtshaus" Spenden sammelt.

Quelle: NGZ
 
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