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Grevenbroich
Burg-Reste unterm Acker gefunden

Grevenbroich: Burg-Reste unterm Acker gefunden
Auf einer alten Karte ist der "Schwanenhof", auch "Schwanenburg" genannt, verzeichnet. Er ist mit einem dunkelgrünen Fleck markiert worden. FOTO: Stadtarchiv
Grevenbroich. Archäologen sind auf Relikte der "Schwanenburg" in Kapellen gestoßen. Der LVR fordert einen Schutz des Bodendenkmals. Von Wiljo Piel

Die unter einem Acker am Ortsrand von Kapellen liegenden Reste einer mittelalterlichen Burg sollen unter Schutz gestellt werden. Das fordert der Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Denkmalpfleger sind davon überzeugt, dass im Erdreich gut erhaltene Relikte einer Befestigungsanlage schlummern, die zunächst gesichert, später untersucht werden müssen. "Es handelt sich um ein bedeutendes Bodendenkmal für die Stadt", macht Wolfgang Wegener vom LVR in einem Antrag deutlich, der in der nächsten Woche dem Planungsausschuss vorgelegt wird.

Die stadteigene Ackerfläche nahe der Stövergasse soll für den Hausbau genutzt werden. Das dafür erforderliche Bebauungsplanverfahren war bereits eingeleitet worden. Doch weil auf historischen Karten in dieser Gegend eine - im Volksmund "Schwanenburg" genannte und mit Gräben umzogene - Anlage verzeichnet ist, forderte der LVR eine archäologische Ermittlung.

Im April gingen die Wissenschaftler der Sache auf den Grund. Sie legten einen vier Meter breiten und 20 Meter langen Abschnitt auf dem Acker frei - und wurden fündig. Sie stießen auf die Reste eines Wehrgrabens, fanden Hinweise auf eine Innenbebauung des Areals und gruben Keramikbruchstücke aus.

"Alle Befunde bezeugen die Existenz der mittelalterlichen ,Schwanenburg'", heißt es in dem LVR-Bericht an die Stadtverwaltung. Weil aber nicht klar ist, welche Funktion dieses Bauwerk hatte, sprechen die Archäologen offiziell noch von einer Grabenanlage. Hinter diesem Begriff können etwa Burgen und Motten stehen, aber auch befestigte Höfe oder Rückzugsplätze.

Die Wissenschaftler gehen nach dem derzeitigen Stand davon aus, dass unter dem Acker eine Anlage verborgen ist, die einst von mehreren Gräben umgeben war und auf der wohl auch Häuser gestanden haben. Es wird vermutet, dass sich in den Gräben auch organische Materialien wie Holz, Leder, tierische und pflanzliche Reste gut erhalten haben. Der LVR schließt nicht aus, dass die gesamte Anlage nahezu unzerstört im Boden erhalten ist.

"Somit können in der Zukunft Forschungen durchgeführt werden, mit neuen Grabungstechniken sowie neuen wissenschaftlichen Fragestellungen", berichtet Wolfgang Wegener in dem Antrag an die Verwaltung. Stelle die Stadt die Anlage unter Denkmalschutz, bleibe "im Boden ein Archiv erhalten, das zukünftigen Forschungen zur Verfügung steht". Mit einer baldigen Grabung dürfte demnach nicht zu rechnen sein.

Zur Geschichte der "Schwanenburg" hat das Stadtarchiv so gut wie kein Material. Einen der wenigen Hinweise gibt es in der Kapellener Schulchronik. In den 1930er Jahren erinnerte Lehrer Vohs an die Burg, die er als hohes, spitzes Gebäude beschrieb. Beim späteren Abbruch sei das Material - größtenteils Liedberger Sandstein - für den Neubau von Häusern verwandt worden. Auf welche Quellen der Lehrer sich stützte, ist nicht bekannt.

Quelle: NGZ
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