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Grevenbroich
Crossfahrer schaffen Habitat für seltene Kröten

Grevenbroich: Crossfahrer schaffen Habitat für seltene Kröten
FOTO: Günter Becker
Grevenbroich. Auf der Anlage des MSC Grevenbroich fühlen sich nicht nur Motorsportler, sondern auch seltene und bedrohte Amphibienarten wohl. Von Julia Hagenacker

Motorsport und Umweltschutz: Das passt ungefähr so gut zusammen, wie Lederkluft und Gesundheitssandale. Also gar nicht. Könnte man meinen. Dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist, beweist der MSC Grevenbroich auf seiner Motocrossstrecke in Gustorf. Nicht nur Sportler aus ganz Deutschland und dem Ausland fühlen sich auf der Anlage auf der Königshovener Höhe wohl, sondern auch Erdkröten, Wasserfrösche und - die auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehenden Kreuz- und Wechselkröten. "Unsere sandige Trainingsanlage ist genau das richtige Umfeld für diese Tiere - sie fühlen sich pudelwohl und steigern seit Jahren kontinuierlich ihre Population", sagt Claudia Ullrich.

Seit etwa vier Jahren ist die 53-Jährige als offizielle Umweltbeauftragte des MSC aktiv. Als solche beschäftigt sie sich mit allen Fragen des Umweltschutzes auf dem Gelände, vor allem während der Laichzeit von März bis Juli. Beraten wird sie dabei vom Umweltschutzbeauftragten der Stadt Grevenbroich, Norbert Wolf.

"Die seltenen Amphibienarten sind nicht trotz, sondern gerade wegen des Motocrossbetriebs im Gelände", sagt Wolf. "Sie bevorzugen nämlich Lebensräume mit sandig-lehmigen Böden und verdichteten Fahrspuren, in denen sich Wasser zum Laichen sammeln kann. Darüber hinaus brauchen sie offenes, unverbuschtes und keinesfalls bewaldetes Gelände, wie es durch den laufenden Trainings- und Wettkampfbetrieb ständig wieder neu geschaffen wird."

Das Engagement der Motorsportler in diesem Bereich sei sehr wichtig für den Artenschutz, betont der Umweltbeauftragte. "Immerhin handelt es sich um eines der letzten Vorkommen von Kreuz- und Wechselkröten im Gebiet der Stadt Grevenbroich."

Der MSC ist stolz auf diesen Erfolg. "Im April laufen wir jedes Jahr vakante Stellen ab, um nach Laichschnüren Ausschau zu halten", erzählt Claudia Ullrich. Dabei werden die Umweltbeauftragte und ihr Team nicht nur in den natürlich vorkommenden Wasserstellen, sondern auch in den vom Verein eigens mit einem Radlader angelegten Spuren und Profilabdrücken fündig.

In diesem Jahr allerdings gab es ein Problem: "Mit dem Einsetzen der ersten Hitzeperiode im Mai drohte alles zu vertrocknen", sagt Ullrich. "Die kleinen Pfützen, in denen der Laich abgelegt wurde, schrumpften rasant. Also haben wir uns Kanister und Schubkarren geschnappt und die Laichstellen von Hand wieder mit Wasser gefüllt."

Damit eine solche Notlage nicht noch einmal entsteht, hat die Umweltbeauftragte jetzt Maßnahmen ergriffen. "Bei einer Trockenperiode bewässern wir unsere Sommerstrecke, um Staubentwicklungen zu vermeiden und versorgen zusätzlich die gefährdeten Laichstellen über nachgerüstete Anschlüsse mit Wasser", erklärt Ullrich. "So konnten wir in diesem Jahr viel Laich retten, und mittlerweile wimmelt es auf der Anlage nur so von etwa zwei Zentimeter großen Kröten."

Dadurch, dass die Tiere tagsüber in ihren Verstecken sind, gebe es auch keine Probleme mit dem Trainingsbetrieb, heißt es. "Außerdem haben wir bestimmte Bereiche definiert, wo nicht gefahren wird und wir so den Amphibien ihren nötigen Entwicklungsraum geben", sagt Claudia Ullrich. "Wir legen auch ein besonderes Augenmerk darauf, unseren Clubmitgliedern, Jugendfahrern und Gästen ein Bewusstsein für die Umwelt zu vermitteln, in der wir unseren Sport ausüben."

Um die verschiedenen Wasserstellen noch effizienter versorgen zu können, würde der MSC gerne noch weiter in die Bewässerungsanlage investieren. "Deshalb haben wir uns für den Umweltpreis beim Deutschen Motor-Sportbund beworben", sagt Pressesprecher Günter Becker. "Der DMSB verleiht den Umweltpreis seit 2001 an Clubs und Institutionen für ihr fortschrittliches Denken abseits der Rennstrecke und vorbildliches nachhaltiges Handeln im Umweltschutz."

Quelle: NGZ
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