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Grevenbroich
Das bisschen Haushalt - ein Lehrberuf

Grevenbroich: Das bisschen Haushalt - ein Lehrberuf
Bei Hauswirtschaftlerinnen anno dazumal war das Wunderland gesunder Kost noch unentdeckt. Damals galt: Hauptsache, es gibt ausreichende Mengen. FOTO: Jazyk Hans
Grevenbroich. Heute ist "Welttag der Hauswirtschaft". Den Beruf der Hauswirtschaftlerin gibt zwar kaum noch. Versorgt wird aber noch immer, zum Beispiel in der Kinderpflege. Ernährungswissenschaften und Kalkulation sind dabei wichtige Themen. Von Valeska von Dolega

"Möhren durcheinander" ist ein klassisches Rezept. Wenn Rebecca Liebetrut das Gemüse zubereitet, macht sie das nicht nur, "weil ich es selbst gerne esse". Die 19-Jährige erlernt den Beruf der Kinderpflegerin. Ernährungskunde ist auf dem Weg in ihren Traumberuf eines der Lehrfächer.

Über die Nährwerte von Mohrrübe, Kartoffel und Petersilie weiß die Berufsfachschülerin dabei ebenso genau zu berichten wie über vitaminschonende Garung. "Sonst ist ja am Ende nichts Gutes mehr drin", erklärt sie. Etwa 70 Schüler jährlich wollen so wie sie diesen Beruf am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Grevenbroich erlernen, zwei Jahre dauert die Ausbildung. Menüfolgen zu planen, Mahlzeiten zuzubereiten ebenso wie zu servieren, Wareneinkauf mit Lagerung zu managen und auch Textilien und Räume zu reinigen und pflegen sind weitere Aspekte, die neben Lehrfächern wie Mathe, Englisch und Pädagogik auf dem Stundenplan stehen.

"Traditionelle Hauswirtschaft hat ausgedient", bestätigt Nicole Beckers, seit vier Jahren Werkstattleiterin im BBZ, über das inzwischen nachaktuelle Bild einer Kaltmamsell, die einstmals mit Rüschenschürze und Häubchen ausgestattet ausschließlich des Hausherrn Wünsche zu befolgen hatte.

Versorgt wird natürlich noch immer - bloß ganz anders. "Die Ausbildung hat einen hohen Stellenwert", sagt Nicole Beckers. "Kleine Kinder werden meistens frühmorgens in der Kita abgegeben - und dort mit vielen Mahlzeiten und Snacks versorgt." Ebenso wie Svenja Schäfer (19) ist auch für Selina Rüttgers (18) die künftige Arbeit mit besagten Knirpsen ein "Traum. Deshalb möchte ich Erzieherin werden, da passiert jeden Tag etwas anderes." Die Kleinen gut zu ernähren, sich mit Unverträglichkeiten oder Allergien auszukennen, sind wichtige Aspekte. Darüber hinaus pauken beide ebenso fleißig eigentlich unbeliebte Fächer wie Mathematik.

"Mit einem Dreisatz kann ich dann die Rezepte auf die gewünschten Mengen umrechnen", erklärt Svenja Schäfer. "Und Kosten berechnen", ergänzt Selina Rüttgers. Die moderne Kinderpflegerin aber kann noch mehr. In der Großküche weiß sie Arbeitsplätze und Einsatzgebiete nach geltenden Hygienevorschriften planmäßig sauber zu halten. "Auch dazu muss man rechnen können, sonst kann man die Putzmittel nicht richtig dosieren."

Auf dem Stundenplan der zeitgemäßen Betreuerin steht von der Säuglingspflege bis zum Englischkursus - wer weiß in welch multi-kultureller Einrichtung eines Tages gearbeitet wird - darüber hinaus das wichtige Fach der Sozialpädagogik.

"In dem Beruf braucht man schon dicke Nerven und Widerstandfähigkeit", gibt Rebecca Liebetrut, die ihre Zukunft als Tagesmutter sieht, unumwunden zu. Um sich von Kindern weder terrorisieren noch auf der Nase herumtanzen zu lassen, gibt es erlernbare Konzepte. Belohnung und Lob spielen eine Rolle, ebenso wie das als Ich-Botschaft formulierte Verbot. Neben aller Theorie legen Nicole Beckers und Kollegen am BBZ besonderen Wert auf praxisorientiertes Arbeiten. Baden, wickeln und cremen des Säuglings gehören hier ebenso dazu wie Erste-Hilfe-Maßnahmen von der stabilen Seitenlage bis zur Herzdruckmassage.

Am Aktionstag heute betreuen Svenja, Selina, Rebecca und Mitschüler 14 Kita-Kinder aus der städtischen Einrichtung am Hartmannweg beim Projektkochen. Die Möhren durcheinander stehen dann ebenso auf dem Speiseplan wie ein Putenschnitzel und gemischter Salat, "das Obst und Gemüse gibt es ja jetzt und wir richten uns auch immer danach, was kalendarisch machbar ist", sagen die drei.

Ihren Männern a la Hauswirtschafterin in Schürze mit Haube das Abendbrot zu servieren, käme für die emanzipierten Frauen nicht in Frage. "Zumal, da mein Freund ja Koch ist und da auch mal selbst was machen kann", wie Rebecca sagt.

Quelle: NGZ
 
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