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Schwuler Schwan aus Grevenbroich
Das Happy End ist in Gefahr

Schwan Fridolin sorgt für Aufsehen in Grevenbroich
Schwan Fridolin sorgt für Aufsehen in Grevenbroich FOTO: Peter Böttner
Grevenbroich . In der Liebesgeschichte um ein schwules Schwanenpaar in einem Park in Grevenbroich droht das Happy End zu platzen: Während der eine in einer Hattinger Klinik operiert wird, ist der "Strohwitwer" nun verschwunden. 

Weil er einen gebrochenen Flügel hat, musste ein Schwan aus dem Ian-Hamilton-Finlay-Park in eine Tierstation in Hattingen umziehen. Sein Partner blieb trauernd in Grevenbroich zurück. Sobald es dem verletzten Vogel nach der Operation wieder gut geht, soll das schwule Schwanenpaar wieder zusammengeführt werden. Doch das Happy End ist in Gefahr.

"Der Partner ist bereits seit Tagen spurlos verschwunden", sagt der städtische Umweltbeauftragte Norbert Wolf: "Und er ist beim besten Willen nicht mehr aufzufinden." Nach der Trennung hatte sich der weiße Vogel zwar noch eine Zeit lang im Park aufgehalten, doch dann machte er sich laut rufend auf Wanderschaft durch die Innenstadt. Norbert Wolf will zwar nicht auf die Tränendrüsen drücken, gesteht aber ein: "Der Schwan war tierisch laut – ich hatte den Eindruck, dass er nach seinem Partner ruft."

Nachdem er seinen angestammten Platz im Finlay-Park verlassen hatte, hielt sich der Vogel zunächst auf dem See am Umweltzentrum Schneckenhaus auf. Als sein Rufen dort unbeantwortet blieb, machte er sich auf den Weg in Richtung Schanze – und geriet beinahe in Lebensgefahr. "Wir haben ihn mit sanftem Druck davon abhalten können, die viel befahrene Straße zu überqueren", berichtet Norbert Wolf. Nach dieser Aktion habe sich der Schwan in Richtung Waldwiese aufgemacht. Dort wurde er dann auch zum letzten Mal beobachtet. "Gut möglich, dass er weggeflogen ist", sagt der Umweltbeauftragte.

Das durch einen Flügelbruch getrennte schwule Schwanenpaar rief in den vergangenen Wochen ein großes Medienecho hervor, Zeitungen und TV-Sender berichteten über das Vogel-Drama von Grevenbroich. "Es war einiges los", sagt Wolf: "Tierfreunde haben uns sogar dazu aufgefordert, den in der Stadt verbliebenen Schwan zu seinem Partner in Hattingen zu bringen." Solche Aktionen hält der Umweltbeauftragte jedoch für übertrieben: "Man bringt schließlich auch keinen ganzen Gänseschwarm in eine Wildtierstation, wenn sich nur ein Tier verletzt hat." Zudem habe der Lesben- und Schwulenverband angefragt, ob das Team des Schneckenhauses bei der Wiederzusammenführung der beiden Schwäne die gleichen Anstrengungen unternehmen werde wie bei einem Hetero-Paar. Norbert Wolf kann da beruhigen: "Selbstverständlich werden wir das machen – allerdings müssen wir dafür erst einmal das verschwundenen Tier finden."

Sobald der verletzte Vogel sich von seiner Operation erholt hat, soll er in sein Revier im Finlay-Park gebracht werden. Vielleicht, so hofft Wolf, taucht ja dann auch der verschwundene Partner wieder auf.

(wilp)
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