| 00.00 Uhr

Grevenbroich
Das politische Epizentrum von Rommerskirchen

Grevenbroich. SPD-Bürgermeister und CDU-Chef sind unmittelbare Nachbarn. Nur wenige Schritte entfernt wohnen am Veilchenweg der SPD-Vorsitzende und ein CDU-"Rebell". Von Sebastian Meurer

Das ist wirklich keine alltägliche Konstellation: Haus an Haus wohnen am Veilchenweg der zur SPD zählende Bürgermeister Martin Mertens und CDU-Oppositionsführer Michael Willmann. Und nur wenige Schritte entfernt liegt das Haus von SPD-Chef Jürgen Thomas. Entscheidende Vorarbeit dafür, dass der Veilchenweg so etwas wie das "politische Epizentrum" der Gemeinde darstellt, hat CDU-"Dissident" Walter Giesen geleistet, der seinerseits nur einen Steinwurf weit entfernt wohnt. Seit 40 Jahren lebt der gebürtige Butzheimer mittlerweile am Veilchenweg, der immer mal wieder als politischer "Unruheherd" von sich reden gemacht hat, wie den früheren Verwaltungschefs Peter Emunds (CDU) und Albert Glöckner (SPD) noch bestens geläufig ist. Ende der 1990-er Jahre und Anfang des Jahrtausends engagierte sich Giesen erfolgreich in zwei Bürgerinitiativen, die sich gegen hohe Erschließungsgebühren und einen geplanten Straßenbau wandten - und heftige Kontroversen mit Politik und Rathaus nicht scheuten. Derzeit ist er bei den Gohrer Konvertergegnern aktiv, nachdem er vor einem Jahr am Gillbach eine Initiative mitgegründet hatte.

Äußert er sich zur Kommunalpolitik, vergrätzt er damit in aller Regel die CDU-Parteiführung um Michael Willmann. Der lebt hier seit 2007 und ist damit "zweitältester" politischer Anwohner am Veilchenweg: Dass das Verhältnis zu Giesen angespannt ist, verhehlt er nicht, und auch dessen Bilanz nach einjähriger Amtszeit von Martin Mertens als Bürgermeister dürfte ihm kaum gefallen: "Hut ab vor seinem ersten Jahr als Bürgermeister in Rommerskirchen", sagt Giesen. Dem Rathauschef attestiert er "eine professionelle Um- und Neustrukturierung der Verwaltung, freundlichen Umgang mit den Bürgern und souveränes Auftreten."

Michael Willmann widerspricht der Vermutung, dass der Veilchenweg gar ein "politischer Hexenkessel" sein könnte. Mehr als ein Jahr nach dem Wahlkampf habe sich das Verhältnis zwischen ihm und seinem unmittelbaren Nachbarn Martin Mertens "wieder entspannt". Sich von Nachbar zu Nachbar "auch mal nicht über Politik unterhalten zu können, ist sehr wichtig. Viele können das nicht", meint Michael Willmann. Geradezu"nichtexistent" ist hingegen das Verhältnis von Willmann zu seinem SPD-Pendant Jürgen Thomas - was durchaus wechselseitig gilt: "Ich nehme ihn kaum wahr", sagt Willmann. Was Jürgen Thomas umgekehrt auch so sieht: "Wenn ich morgens das Haus verlasse und abends wiederkomme, begegne ich ihm fast nie", sagt der Regierungsrat im NRW-Arbeitsministerium. Mit ironischem Blick auf das im ländlichen Raum nun mal anerkannterweise hohe Maß an Sozialkontrolle, meint Thomas: "Ich habe das Haus des Bürgermeisters immer fest im Blick. Wenn wir abgehört werden, dann morsen wir halt." Besser als zu Willmann ist Thomas' Verhältnis zu Walter Giesen. Unabhängig vom Parteibuch, "schätze ich sein bürgernahes Engagement in Bürgerinitiativen sehr", sagt der SPD-Chef, der seit 2009 am Veilchenweg lebt. Und der Bürgermeister? Für Martin Mertens, der hier seit 2011 wohnt, ist der Veilchenweg "ein sehr sympathisches und lebenswertes Wohnquartier mit einer facettenreichen Nachbarschaft. Meine Lebensgefährtin und ich wohnen sehr gern hier."

Dass die geballte Ansammlung von Politikern am Veilchenweg Butzheim über Gebühr begünstigen würde, lässt sich nicht behaupten: Das im Rat einstimmig forcierte Neubaugebiet im Schützengrund etwa würde auch dann entstehen, wenn die politischen Wohnverhältnisse "entzerrter" wären.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Grevenbroich: Das politische Epizentrum von Rommerskirchen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.