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Grevenbroich
Der Bibabutzemann von Wevelinghoven

Grevenbroich: Der Bibabutzemann von Wevelinghoven
Theo Hoer im Wevelinghovener Stadtpark mit der Kopfplastik FOTO: Borgmann
Grevenbroich. Die verschollene Kopfplastik, die vermutlich vom Wevelinghovener Schloss stammt, wurde wiedergefunden. Sie hat im Volksmund den Namen Bibabutzemann. Altbürgermeister Theo Hoer erforscht die Geschichte der Burg und des Parks. Von Gundhild Tillmanns

Manchmal lassen sich historische Rätsel ganz schnell lösen... dank unserer aufmerksamen NGZ-Leser. Galt die "sagenumwobene" Kopfplastik im Wevelinghovener Park, von der NGZ-Leser Hans-Jürgen Burbach ein Foto aus seinen Kindertagen eingereicht hatte, noch als verschollen. So hat sie der Grevenbroicher Reinhold Borgmann längst bei einem Spaziergang mit seinem Enkel Theo im Gestrüpp des Parks wiedergefunden und fotografiert. Denn ein schöner Brauch scheint die Zeiten überdauert zu haben: Die Stelle mit der Kopfplastik zieht, schon wie in den Kindertagen von Hans-Jürgen Burbach, immer noch Familien zum Verweilen bei ihren Spaziergängen an. Und sie umrankt nicht nur mittlerweile das verwilderte Gestrüpp, sondern auch Legenden, Erzählungen und Spekulationen. Mehr noch: Die Kopfplastik, die ein Bestandteil des ehemaligen Wevelinghovener Schlosses gewesen sein mag, hat im Volksmund bei Kindern sogar einen Namen: "Sie nannten sie den Bibabutzemann". berichtet Altbürgermeister Theo Hoer.

Gut kennt sich Hoer als Vorsitzender des Vereins "Historisches Wevelinghoven" in dem Park aus und hat sich über alte Pläne und Bilder in die Burg- oder Schlossanlage vorgearbeitet. "Der Kopf ist nur ein ganz kleines Randthema", sagt Hoer, der zur Zeit auf großer Spurensuche in Archiven auch weit außerhalb von Grevenbroich versucht, Licht ins Dunkle zur Bedeutung der "Trümmer" zu bringen. Da gelte es auch zu klären, ob es überhaupt ein richtiges Schloss in der Gartenstadt gegeben habe, oder nur eine Motte. Motten waren im Mittelalter errichtete burgähnliche Befestigungen.

Zu klären sei auch, ob die Grünanlage, die als Wevelinghovener Stadtpark bezeichnet werde, tatsächlich ein Schlosspark gewesen sei, so wie man ihn zum Beispiel von Schloss Dyck mit seiner französischen und englischen Landschaftsgärtnerei kenne, sagt Hoer. "Wenn wir die Geschichte der Ruine im Park komplett erforscht haben, dann wird unser nächstes Projekt die Grünanlage. Die muss unbedingt geordnet werden", kündigt Theo Hoer für den Wevelinghovener Verein an.

Bereits klar sei aber, dass es spannende Geschichten rund um die Burg, das Schloss, oder was immer das Gemäuer gewesen sei, zu dokumentieren gebe. So weiß Hoer bereits aus Archiven, dass die Anlage auch eine Zeit lang von religiöser Bedeutung gewesen war.

Das Gemälde zeigt Schloss Wevelinghoven, von dem nur noch Trümmer übrig geblieben sind. FOTO: Hoer

"Von 1670 bis 1685 hat die evangelische Kirchengemeinde Wevelinghoven ihre Gottesdienste in der Burg gefeiert", hat Hoer herausgefunden. Die Besonderheit: Graf Bentheim, der protestantische Herr von Wevelinghoven, habe in einem sogenannten "Provisionalvergleich" für sich eine evangelische Gemeindegründung beansprucht und letztlich durchgesetzt. Eigentlich hätte auch Wevelinghoven unter dem Erzbistum Köln katholisch sein müssen ."Die Wevelinghovener durften aber nicht missionieren," sagt der Altbürgermeister.

Quelle: NGZ
 
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