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Grevenbroich
Der doppelte Krützen

Grevenbroich: Der doppelte Krützen
Die gleiche Frisur, das gleiche Lächeln: Klaus (r.) und Michael Krützen sind eineiige Zwillinge. Der Bürgermeister ist der ältere der Brüder - er erblickte fünf Minuten vor dem Professor das Licht der Welt. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Klaus und Michael Krützen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Hin und wieder kommt es in Grevenbroich zu Verwechslungen. Von Wiljo Piel

Das Bushaltestellen-Schild in Neukirchen hänge viel zu tief. So tief, dass ein Radfahrer mit dem Kopf dagegen prallen und sich böse verletzen könnte. "Da müssen Sie sich mal drum kümmern, bevor was passiert", wurde er von einem besorgten Bürger aufgefordert. Und Michael Krützen versprach artig, sich des Problems anzunehmen. Was in diesem Fall heißt: Seinem Bruder, dem Bürgermeister Bescheid zu sagen, denn eigentlich war der gemeint. Verwechslungen wie diese können passieren, denn Michael und Klaus Krützen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Sie sind Zwillinge.

Die gleiche "Frisur", das gleiche Lächeln, der gleiche Geschmack für Freizeit-Kleidung: Jeans, Lederschuhe, legeres Hemd, die oberen Kragenknöpfe geöffnet. Obwohl: "So richtige Hanni-und-Nanni-Zwillinge waren wir nie", sagt Michael Krützen. Zwar sind die beiden Neukirchener Jungs zusammen aufgewachsen, eine Zeit lang gemeinsam zur Schule gegangen, doch spätestens nachdem Klaus Krützen eine "Ehrenrunde" im Knechtstedener Norbert-Gymnasium drehen musste, trennten sich die Wege der Zwillingsbrüder. "Jeder von uns hatte auf einmal seinen eigenen Freundeskreis", sagt der heutige Bürgermeister: "So haben wir uns schnell auseinanderentwickelt."

Die beiden Jungs aus Neukirchen haben ihren Weg gemacht. Klaus Krützen ist Verwaltungschef seiner Heimatstadt geworden, Bruder Michael wird Professor für evolutionäre Anthropologie und Genomik an der Universität Zürich. FOTO: Berns Lothar

Nach dem Abitur ging Klaus zur Uni in Düsseldorf, Michael zog es nach Bonn. Typisch Zwilling: Beide studierten Biologie - der eine auf Lehramt, der andere auf Diplom. Während der ältere der beiden - Klaus wurde fünf Minuten vor Michael geboren - die Laufbahn eines Pädagogen einschlug und sich in seiner Freizeit der Kommunalpolitik widmete, zog es den Jüngeren in die Welt hinaus. Für seine Doktorarbeit ging er nach Australien, um dort an Delfinen zu forschen - und weltweite Schlagzeilen zu machen. Michael Krützen war nämlich der Nachweis gelungen, dass die Großen Tümmler in der Shark Bay einen Schnauzenschutz in Form eines Schwamms benutzen, wenn sie am Meeresboden nach Nahrung suchen - und diesen Trick an ihre Nachkommen weitergeben. Ein Zeichen dafür, das Flipper Kultur hat.

Die Fachwelt war begeistert, und Klaus Krützen freute sich in der Heimat über den Erfolg seines Bruders. "Das war eine tolle Sache, als Michaels Forschungsergebnis plötzlich um die Welt ging", sagt er. Nicht anders erging es Michael, nachdem sein Zwilling im vergangenen Jahr die Bürgermeisterwahl in Grevenbroich gewann. "Ich war super-stolz auf ihn", gibt er zu. Konkurrenzdenken gibt es bei den beiden nicht: "Wir freuen uns, wenn dem anderen etwas Gutes gelingt."

Michael Krützen lebt mit Frau und Kind in der Schweiz, in einer Gegend, in der andere ihren Urlaub verbringen - und wo er hin und wieder "den herzlichen rheinischen Menschenschlag vermisst". Als künftiger Professor für evolutionäre Anthropologie und Genomik - der sich mit Delfinen und Orang-Utans beschäftigt - ist er für die Uni Zürich viel unterwegs und selten in der Heimat. Zurück in Neukirchen, liebt er das Zusammensein mit der Familie und die ausgedehnten Diskussionen mit dem Bruder. Vor allem über Glaubensfragen können sich die beiden stundenlang streiten - "ohne jedoch aufeinander böse zu sein", wie die Zwillinge bekräftigen.

Obwohl sie unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben, sind sich sich doch in vielem ähnlich. "Neuem stehen wir beide sehr offen gegenüber", sagt Michael Krützen. "Und wir haben die Möglichkeiten, die uns geboten wurden, erkannt und beim Schopfe gepackt", ergänzt Bruder Klaus. Und nicht selten würden sie im selben Moment das selbe denken und nahezu wortgleich aussprechen. Nur eines würde Michael Krützen nicht machen: "Den Ententanz auf dem Grevenbroicher Marktplatz machen, das wäre nicht mein Ding."

Ist Michael Krützen in der alten Heimat, gilt für ihn eines. Bei einem Spaziergang durch die Stadt nicht arrogant herüberkommen und jeden, der ihn grüßt, freundlich zurückgrüßen. Und sollte er auf ein Problem angesprochen werden, sagt er einfach: "Wir kümmern uns." So reagiert man halt, wenn man aussieht wie der Bürgermeister.

Quelle: NGZ
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