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Grevenbroich
Der Kampf der Bergbau-Opfer

Grevenbroich: Der Kampf der Bergbau-Opfer
Walter Düllberg zeigt den Riss in seinem Wohnzimmer: "Das Haus bewegt sich, ist abgesunken und wieder angehoben worden. Dafür sind die Pumpen von RWE verantwortlich", meint er. FOTO: M.Reuter
Grevenbroich. RWE lud am Freitag zum Bergschadensforum. Dort wurden die positiven Ergebnisse einer Umfrage unter Geschädigten präsentiert. Bergbau-Opfer Walter Düllberg aus Grevenbroich kritisiert die Veranstaltung: "Das ist eine Farce." Von Peter Böttner

Walter Düllberg hat sich den Weg nach Elsdorf zum Bergschadensforum gespart. Dabei ging es dort genau um sein Thema – um Schäden an Natur und Häusern – verursacht durch den Tagebau von RWE. Doch der Grevenbroicher Sprecher des "Netzwerks Bergbaugeschädigter" sah keinen besonderen Nutzen in seinem Besuch. "Diese Veranstaltung ist eine Farce. RWE geht es lediglich darum, möglichst viele Gründe aufzuzeigen, warum sie uns Opfer nicht entschädigen müssen."

RWE Power sieht im Bergschadensforum hingegen einen wesentlichen Beitrag, um aufgeheizte Diskussionen auf eine sachliche Ebene zurückzuführen. "In unserer täglichen Arbeit zeigt sich ganz deutlich, wie komplex das Thema Bergschäden ist. Daher ist es uns wichtig, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen", sagt Alois Herbst, Leiter für Liegenschaften bei RWE Power.

Mehr als 120 Teilnehmer hatte das Unternehmen geladen. Unter anderem, um die Ergebnisse einer Kundenbefragung zu präsentieren. Rund 500 Betroffene von Bergschäden machten demnach mit und bescheinigten der RWE mehrheitlich eine freundliche und zufriedenstellende Untersuchung und Abwicklung der Schäden.

"Was soll so eine Untersuchung?", fragt hingegen Düllberg, dessen Haus am Montag erneut von einem Sachverständigen untersucht wird. Die Befragung habe sich fast ausschließlich auf das Auftreten der RWE-Mitarbeiter bezogen. "Natürlich sind die freundlich, wenn die Häuser untersuchen. Und von dieser Freundlichkeit lassen sich viele blenden. Nur wenn es dann ums Eingemachte geht – um Entschädigung – dann ist es mit der Freundlichkeit vorbei", berichtet Düllberg. Er befürchtet weitere Schäden an seinem Haus, wenn das das von RWE abgepumpte Wasser zurückströmt und beziffert seinen Schaden auf rund 60 000 Euro.

In Elsdorf referierte derweil auf Einladung von RWE der Bergbausachverständige Michael Soretz. Sein Fazit: Die Schäden an Gebäuden seien häufig auf bauliche Mängel zurückzuführen. Dies sei durch Zahlen aus dem Rheinischen Revier belegt. Lediglich zehn bis 15 Prozent der gemeldeten Schäden seien Folgen des Bergbaus. Rund 275 neue Schäden werden RWE demnach jährlich gemeldet.

Walter Düllberg bezweifelt die Unabhängigkeit solcher Untersuchungen und wirft RWE vor, die Wahrheit zu verschleiern. Immerhin habe der Konzern die "Anrufungsstelle Bergschaden Braunkohle NRW" anerkannt. "Diese Schiedsstelle ist meist die einzige Hoffnung für Geschädigte, ihre Ansprüche wirklich geltend zu machen", sagt Düllberg.

(NGZ/rl)
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