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Stefan Verhasselt
"Der Niederrhein beginnt in Grevenbroich"

Stefan Verhasselt: "Der Niederrhein beginnt in Grevenbroich"
Stefan Verhasselt präsentiert erstmals sein neues Programm am 17. Januar um 15.30 und 18 Uhr im "Museum der niederrheinischen Seele". FOTO: Tina Hirop
Grevenbroich. Kabarettist Stefan Verhasselt hat sich Grevenbroich als Premiere-Ort für sein neues Programm ausgesucht. Im Interview sagt er, warum.

Herr Verhasselt, am 17. Januar feiert Ihr neues Kabarett-Programm "Wer kommt, der kommt" Premiere in Grevenbroich. Warum ausgerechnet Grevenbroich?

Stefan Verhasselt Als ich damals eingeladen wurde, die Eröffnung des Museums der niederrheinischen Seele zu moderieren, wusste ich sofort, dass es kaum einen passenderen Auftrittsort für mein Programm geben könnte. Als ich mir die Ausstellung angeschaut habe, wusste ich: Das passt. Hier wird die niederrheinische Mentalität anschaulich vermittelt. Wunderbar.

Ist Grevenbroich denn schon Niederrhein?

Verhasselt Von der Mentalität her, klar! Meine beiden Programme, die ich hier bereits gespielt habe, wurden "verstanden" (Augenzwinkern). Und geografisch "kann" doch Grevenbroich der südlichste Zipfel vom Niederrhein sein. Man könnte es auch so sagen: In Grevenbroich beginnt der Niederrhein, der in Emmerich, kurz hinter Elten, endet.

Nochmal zurück zum "Museum der niederrheinischen Seele". Was ist für Sie die niederrheinische Seele? Gibt's die überhaupt?

Verhasselt Ja, die gibt es, und sie lebt in jedem gebürtigen Niederrheiner. Es ist diese Bodenständigkeit gepaart mit einer neugierigen Weltoffenheit, das Liebenswerte, der Hang zum Geselligen, aber auch zur Übertreibung. Und natürlich die Gelassenheit, auch mal ne Fünf gerade sein lassen zu können.

Was ist denn bei Ihnen von der Museumseröffnung hängengeblieben?

Verhasselt Ich erinnere mich an das Buchstaben-Kunstwerk an einer Wand. Dort steht das Wort "Niederrhein" in großen Lettern. Da habe ich damals sofort ein Foto gemacht, und das findet man jetzt auch auf meiner Internetseite, als Hinweis auf die Premiere. Originell fand ich auch die Hörstationen mit niederrheinischer Sprache und die Teller mit niederrheinischem Essen, wie den berühmten Gitterkuchen.

Sie machen "Niederrhein-Kabarett". Wie unterscheidet sich das vom "normalen" Kabarett?

Verhasselt Es sind die kabarettistischen Betrachtungen des heutigen Lebens aus niederrheinischer Sicht. Am Titel meines vierten Programms kann man das gut ablesen: "Wer kommt, der kommt - Kabarett 4.0" Die Stories aus meinen Kabarettprogrammen haben tatsächlich hier stattgefunden. Und finden hier statt. Außerdem streue ich immer mal wieder typische niederrheinische Wortschöpfungen ein. Ich spreche aber kein Platt, so dass mich jeder verstehen kann, auch ein Nicht-Niederrheiner.

Was macht denn den echten Niederrheiner aus?

Verhasselt Niederrheiner machen die kleinen, scheinbar unspektakulären Alltäglichkeiten oft zum ganz großen Thema. Sie haben eben ein liebenswertes Mitteilungsbedürfnis: sie kommen von Höcksken auf Stöcksken und werden so zum "Assoziations-Prakesierer", indem sie Dinge miteinander verbinden, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben.

Es wird behauptet, dass Hanns-Dieter Hüsch Sie zum Kabarett verleitet hat. Stimmt das?

Verhasselt Ja, allerdings indirekt. Vor vielen Jahren habe ich bei einem Radiosender in Hamburg gearbeitet. Auf meinen Fahrten von zuhause in die Hansestadt habe ich Hanns-Dieter Hüsch-Cassetten gegen mein Heimweh gehört. So hatte ich "meinen" Niederrhein immer dabei. Irgendwann fiel mir auf, dass ich ähnliche Geschichten auch erlebt habe und immer noch erlebe. Zuerst habe ich sie auf meiner Internetseite als Kolumnen veröffentlicht, und als ich später beim WDR moderierte, habe ich die eine oder andere Anekdote in meine Moderationen eingebaut. Dann schrieben mir die Hörer: "Davon bitte mehr". Und so ist 1996 mein erstes Kabarett-Programm entstanden. Leider habe ich Hanns-Dieter Hüsch nicht mehr persönlich kennengelernt.

Wie viel Hüsch steckt in Verhasselt?

Verhasselt Wie Hanns-Dieter Hüsch hatte auch ich drei niederrheinische Tanten, die mich sehr geprägt haben. Viele Erlebnisse, die er in seinen Niederrhein-Programmen geschildert hat, habe auch ich erlebt. Ich bin allerdings genau 40 Jahre jünger als Hüsch, entsprechend sind meine Stories auch 40 Jahre jünger. Schließlich gab es Facebook und Emoticons damals noch nicht. Dafür gibt es bei mir keine Orgel und keine Couplets, was aber sicher auch besser ist. . .

Ihr neues Programm spielt sich "oberhalb der Gürtellinie, manchmal auch unterhalb der Grabkante ab", soweit die Presseinfo. Welche Rolle spielt für Sie schwarzer Humor?

Verhasselt Eine große. Es ist unsere Ausdrucksform, mit schlimmen Dingen umzugehen. Das sieht man daran, dass doch viele Gesprächsthemen rund um Krankheiten und ums Sterben kreisen. So nach dem Motto: "Wie, der Dingens ist tot? Ja, schon ein halbes Jahr! Der steht schon bald wieder auf." Wir leiden mit, können aber nach der Beerdigung, beim Kaffee, schon wieder über den Verstorbenen lachen. Das ist für beide Seiten im guten Sinne nachhaltiger, als diese drei flüchtig geposteten Buchstaben im Netz, wenn es da um den Tod geht: "R.I.P."

Zur Premiere zeigen Sie Ihr Programm gleich zwei Mal an einem Tag in Grevenbroich. Wenn Sie jetzt werben dürften: Was kriegen die Grevenbroicher für ihr Geld zu sehen?

Verhasselt Ich greife kabarettistisch kuriose Begebenheiten auf, die am Niederrhein spielen, aber auch dort passieren, wo ich unterwegs war. Bekannte und "neue" menschliche Eigenheiten und Mentalitäten werden bei mir bis ins kleinste Detail analysiert und dann kabarettistisch überhöht. Wichtig ist mir aber, niemanden vorzuführen. Denn im Grunde teile ich das Schicksal meiner Figuren. Somit lache ich auch über mich selbst. Und wenn am Ende die Zuschauer sagen "Genau wie bei uns", dann bin ich zufrieden.

WILJO PIEL STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: NGZ
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