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Wolfgang Kaiser im Interview
"Die CDU muss wieder jünger werden"

Wolfgang Kaiser im Interview: "Die CDU muss wieder jünger werden"
Wolfgang Kaiser leitet seit 2014 die CDU-Ratsfraktion. Im vergangenen Monat wurde der Neukirchener auch zum Parteichef gewählt. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Der neue Stadtverbandsvorsitzende Wolfgang Kaiser hat sich vorgenommen, mehr jüngere Leute für die Arbeit in der Partei zu begeistern. Ein weiteres Ziel des Neukircheners: Ende 2017 soll die Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten beginnen.

Herr Kaiser, die CDU hat die Bürgermeisterwahl verloren. Tut das noch weh?

Wolfgang Kaiser Natürlich tut das weh. Für uns muss aber jetzt eines gelten: Nicht zurück, sondern nach vorne schauen. Ich bin der Meinung, dass wir im Wahlkampf keine gravierenden Fehler gemacht haben. Es hat sich gezeigt, dass ältere Kandidaten allgemein schwieriger durchzusetzen sind als jüngere. Siehe auch am Beispiel Neuss. Darauf werden wir reagieren müssen.

Sind Sie schon auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten?

Kaiser Nein, noch nicht. Erst einmal genießen die Bundestagswahlen Vorrang - und die Landtagswahlen, für die wir endlich wieder einen Grevenbroicher Kandidaten im Wahlbezirk durchsetzen wollen. Persönlich habe ich mir vorgenommen, ab Ende 2017 nach einem neuen Gesicht für die CDU zu suchen. Grundsätzlich bin ich positiv überzeugt, dieses zu finden.

Das idealerweise zwischen 25 und 30 Jahre alt, lebens- und berufserfahren sein sollte?

Kaiser Das wird schwierig sein. Ich persönlich halte eine Mischung aus Lebenserfahrung und der allgemeinen Befähigung zum Bürgermeisteramt für die beste Wahl.

Ursula Kwasny hat beklagt, dass sie im Wahlkampf nicht von allen Mitgliedern unterstützt wurde. Wie haben Sie diese Kritik empfunden?

Kaiser Eine Niederlage tut immer weh. Sie tut erst recht weh, wenn es eine persönliche Niederlage war. Von daher habe ich Verständnis für das, was sie nach der Wahl gesagt hat. Nachvollziehen kann ich es aber nicht. Die CDU hat Ursula Kwasny immer den Rücken gestärkt.

Sie möchten die Partei mehr für jüngere Leute öffnen. Wie gehen Sie vor?

Kaiser Mit einer fast 100 Mitglieder umfassenden Jungen Union haben wir in Grevenbroich schon einen guten Grundstock. Die JU greift Themen in der Stadt auf und hat viele Verbesserungsvorschläge, die Jugendliche unmittelbar interessieren. Über diese Schiene wollen wir die Partei verjüngen. Mehr junge Leute für die Kommunalpolitik begeistern - das ist das Ziel.

Ist die Partei denn Ihrer Meinung nach zu alt?

Kaiser In manchen Ortsverbänden gibt es in der Tat Probleme mit dem Durchschnittsalter der Mitglieder, so dass eine Auffrischung unbedingt erforderlich ist. Wenngleich wir gerne auf die Erfahrung der Älteren zurückgreifen.

Welche Rolle spielen für Sie die Ortsverbände?

Kaiser Eine große. Dass die CDU vor Ort stark ist, ist an den 18 Direktmandaten abzulesen, die bei der Kommunalwahl 2014 gewonnen wurden. Nah bei den Menschen - dieser Wahlspruch von Ursula Kwasny trifft auf die gesamte Union zu. Wenn dem Bürger irgendwo der Schuh drückt, sind es unsere Leute vor Ort, die zuerst davon erfahren. Das gilt es zu stärken.

Und wie?

Kaiser Indem wir Themen transparenter machen. Politik war lange Zeit auch ein Handeln im Verborgenen, das darf nicht sein. Politik muss offen und jedermann zugänglich sein, nur dann kann man sie nachvollziehen. Wir werden in die Stadtteile hineingehen und mit Bürgern noch mehr als bisher über aktuelle Themen reden. Das halte ich für eine sehr wichtige Aufgabe.

Wie gehen Sie mit den Sozialen Medien um?

Kaiser Die werden leider noch vernachlässigt. Wir haben jetzt ein junges Team am Start, das eine neue Homepage und einen Newsletter vorbereitet, der nicht nur online gestellt, sondern auch an Interessierte per Mail verschickt werden soll. In einem weiteren Schritt wollen wir auch Facebook verstärkt bedienen.

Sie sind nicht nur Fraktions-, sondern nun auch Parteivorsitzender. Ist das nicht etwas viel? Schließlich sind Sie auch berufstätig.

kaiser Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer ehrenamtlich engagiert habe. Nehme ich ein Amt an, mache ich das mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit. Sprich: Ich möchte etwas verändern. Sollte ich irgendwann aber der Meinung sein, ein Amt lange genug ausgeübt zu haben, habe ich auch keine Probleme damit, es wieder abzugeben. Ich hänge nicht an so etwas. Aber mit dem Team an meiner Seite gehe ich optimistisch an die vor uns liegenden Aufgaben heran.

WILJO PIEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: NGZ
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