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Grevenbroich
Die Könige der Königshovener Höhe

Grevenbroich. 139 verschiedene Vogelarten haben Umweltexperten im ehemaligen Tagebau-Areal beobachtet und dokumentiert.

Von wegen "verbrannte Erde" - auf der Königshovener Höhe hat der Braunkohletagebau einen enorm wertvollen und erhaltenswerten Lebensraum für Vögel, Insekten und Pflanzen hinterlassen. Das sagt jedenfalls Norbert Wolf, und er muss es wissen, denn in den vergangenen acht Jahren haben der städtische Umweltbeauftragte und seine Mitarbeiter bei einigen tausend Begehungen insgesamt 139 verschiedene Vogelarten beobachtet und dokumentiert. "Das ist schon eine atemberaubend große Zahl", sagt Wolf. "Daran sieht man, wie wichtig das Rekultivierungsgebiet für die Vogelwelt ist."

Der Rotmilan zum Beispiel, ein imposanter, etwa mäusebussardgroßer Greifvogel, gehört zu den seltenen und zum Teil gefährdeten Tieren, die bevorzugt am Himmel über der Königshovener Höhe kreisen. Dort, wo früher Bagger nach Kohle gruben, finden Vögel heute ein optimales Lebensumfeld. "Viele Menschen tendieren dazu, Natur ausschließlich mit Grün gleichzusetzen", sagt Norbert Wolf. "Das ist aber falsch. Im Gegenteil: Man kann der Natur großen Schaden zufügen, indem man eine für das Auge womöglich hässliche Brachfläche in Rasen umwandelt." Denn Natur, sagt der Umweltexperte, sei eben auch braun und rau und staubig. Auf der Königshovener Höhe wurden die Flächen absichtlich so angelegt.

Aus gutem Grund gibt es kaum asphaltierte Wege dort oben, dafür wilde Blühstreifen und sehr viel Sand. "Die Tiere reinigen darin ihre Federn", sagt Norbert Wolf. "In den Fahrrinnen, die die Fahrzeuge hinterlassen, sammelt sich Wasser - dort können sie trinken und baden." Und die vielen Wildpflanzen sind nicht nur ein perfektes Nahrungsangebot für samenfressende Vögel, sondern auch Insekten-Magnet und Verpflegungsgarant.

Rotmilan, Schwarzmilan, Wanderfalke und Raufußbussard profitieren vom Unkraut am Wegesrand. "Wenn der ,Unterbau' stimmt", sagt der Grevenbroicher Umweltexperte, "dann stimmt auch der Greifvogelbestand. Das ist ein Mosaik, das auf der Königshovener Höhe einfach stimmig ist." Auch die Lerchen-Dichte, sagt Wolf, sei dort sechsmal so hoch wie anderswo.

Das lässt sich belegen, denn die Stadt verfügt über eine Arten- und Biotopkartierung der Vögel, Amphibien, Reptilien, Säuger, Libellen, Fische und Orchideen. Zwischen 2007 und 2015 konnten zum Beispiel 173 Vogel-, sieben Amphibien-, vier Reptilien-, 32 Libellenarten nachgewiesen werden. Auch deshalb sind heute unter anderem Brutplätze von Greifvögeln und Eulen bekannt. "Was die Vögel betrifft", sagt Wolf, "wird der Luftraum am Rande zu Bedburg selbstverständlich mitkartiert". Denn: Wer fliegen kann, hält sich für gewöhnlich nicht an kommunale Grenzen.

Über den natürlichen Reichtum Grevenbroichs berichten Norbert Wolf und sein Team über das Jahr verteilt auch in einer erfolgreichen Vortragsreihe. "Wir wollen damit interessierte Laien erreichen und den Naturschutz auf eine breitere Basis stellen", sagt der Umweltbeauftragte. "Denn Naturschutz geht nicht ohne den Bürger."

Quelle: NGZ
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