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Grevenbroich
Die Kraftwerks-Brüter

Grevenbroich. Ungewöhnlich: An den Kühltürmen des Kraftwerks Frimmersdorf haben sich Wanderfalken niedergelassen. Jedes Jahr im Frühling brüten die Greifvögel dort ihre Jungen aus. Mehr als 20 Falken-Babys sind schon geschlüpft. Von Wiljo Piel

Manchmal kann der Arbeitsplatz des Umweltschutzbeauftragten Norbert Wolf ganz schön ungemütlich sein. Denn an den Kühltürmen des Frimmersdorfer Kraftwerks nisten bald wieder die Wanderfalken. Und wenn im Mai die Jungen schlüpfen, dann muss Wolf dort wohl oder übel rauf. Auf 80 Meter Höhe, um den Nachwuchs mit Ringen an den Beinen auszustatten. Das ist nur etwas für Schwindelfreie.

Kaum zu glauben: Der Wanderfalke, der von Natur aus etwa Felsen als "Kinderkrippe" benutzt, kommt mit den riesigen Industriebauten als Brutstätte bestens zurecht. "Seit zehn Jahren brüten die Tiere dort oben schon", sagt Wolf. Und das mit Erfolg. Für mindestens 20 Junge war das Kraftwerk bereits der Geburtsort. "Der Horst gehört mittlerweile zu den ertragreichsten im gesamten Regierungsbezirk", erklärt der Umweltbeauftragte.

Gemeinsam mit RWE und Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des Naturschutzbundes wurden Horstkästen an den Kühltürmen befestigt. Die Vorteile der "Firmenwohnung": Es ist dort oben zwar reichlich zugig, doch die Tiere bleiben völlig ungestört – und auch das Nahrungsangebot stimmt. "Ringsherum findet der Wanderfalke alles was er braucht", betont Norbert Wolf. Elstern und Wildtauben gehören etwa zu seiner Beute, die er im bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnellen Sturzflug erledigt. Wenig appetitlich sind die Reste von dem, was der Wanderfalke vertilgt: "Am Ende der Brutsaison liegen dann oben etliche Gerippe herum", meint Wolf.

Zurzeit sind die Wanderfalken in der Balz. Und sie sind nicht die einzigen Greifvögel, die sich an den Kühltürmen niedergelassen haben und um Weibchen werben. In unmittelbarer Nähe, auf einer Treppenstiege eines Schornsteins, haben auch Turmfalken ein Zuhause gefunden. "Und das ist reichlich ungewöhnlich", betont der Umweltschutzbeauftragte. Denn der Turmfalke gehört zum Beutespektrum des Wanderfalken. Nur: "Die tun sich da oben nichts", wundert sich Norbert Wolf. Woran das liegt? "Offensichtlich ist das Nahrungsangebot groß. Andererseits würden die Wanderfalken kein weiteres Brutpaar tolerieren", vermutet er.

Im Mai will Wolf gemeinsam mit Peter Wegener und Gero Speer von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz die Gelege kontrollieren und die Falken-Babys mit Ringen ausstatten. "Aus wissenschaftliche Gründen", wie er meint: "Mit Hilfe der Ringe lässt sich das Wanderverhalten nachvollziehen." So kann zumindest von einem Falken behauptet werden, dass er Kraftwerken zeitlebens treu geblieben ist: "Im Vorjahr wurde ein altes Männchen beim Revierkampf in Frimmersdorf verletzt, es schmierte ab und musste von uns gesund gepflegt werden. Die Besonderheit: Er war am Kraftwerk Niederaußem aus dem Ei geschlüpft."

Quelle: NGZ
 
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