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Grevenbroich
Die letzte Videothek schließt am Samstag

Grevenbroich: Die letzte Videothek schließt am Samstag
Monika Jennen muss ihre Videothek aufgeben. Das Internet hat ihr geschadet. Die 46-Jährige hat sich aber vorsorglich für einen beruflichen Neustart als psychologische Beraterin ausbilden lassen. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Die Inhaberin von "World of Video" startet nach der Aufgabe ihrer Videothek als psychologische Beraterin. Von Gundhild Tillmanns

Dem landesweiten Videotheken-Sterben ist nun auch die letzte Videothek in Grevenbroich zum Oper gefallen. Inhaberin Monika Jennen schließt ihr "World of Video" Am Hammerwerk 13 zum Ende dieser Woche und muss damit ihren Traum von einer erfolgreichen Selbstständigkeit zumindest in dieser krisenbelasteten Branche begraben. Doch die Powerfrau hat vorgesorgt: "Ich habe schon bald gemerkt, dass sich meine Hoffnungen in dieser Branche nicht erfüllen werden. Deshalb habe ich in den vergangenen eineinhalb Jahren ein Fernstudium gemacht", berichtet die zweifache Mutter und Geschäftsfrau.

Ihren Abschluss als psychologische Beraterin habe sie mit eine Notendurchschnitt von 1,4 sogar im Schnelldurchgang geschafft: "Ich hätte mir für das Studium noch bis 2018 Zeit lassen können, ich wollte aber schnell fertig werden", berichtet die 46-Jährige. Denn sie will nun nach der zwangsläufigen Aufgabe ihrer Videothek möglichst nahtlos in eine neue Selbstständigkeit als psychologische Beraterin starten. Sie musste nämlich feststellen: "Beim Arbeitsamt gilt man heute ab 40 schon als nicht mehr vermittelbar und als zu alt für einen neuen Beruf." Visitenkarten für ihre neue Tätigkeit hatte sie schon an ihre Kunden in der Videothek verteilt.

Mit viel Enthusiasmus hatte Monika Jennen vor drei Jahren ihre große Videothek mit einer Verkaufsfläche von 635 Quadratmetern und einem Angebot von mehr als 10.000 Filmtiteln eröffnet. Schon bald bekam die gelernte Fachverkäuferin aus der Automobilbranche die zunehmende Internet-Konkurrenz durch Streaming-Portale und ähnliche Angebote schmerzhaft zu spüren. Hatte sie zunächst bis zu acht Mitarbeiter beschäftigt, so waren dies zum Schluss nur noch drei. Stammkundschaft - und aus allen Altersgruppen gemischt - habe es aber bis zum Schluss gegeben.

"Mein ältester Kunde war 88 Jahre alt. Es sind aber auch viele Schüler gekommen, die vor allem die Games interessiert haben", blickt Monika Jennen zurück. Das Videotheken-Sterben ist indes kein Phänomen, das sich nur in Grevenbroich zeigt. Der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland hatte im Jahr 2008 in Nordrhein-Westfalen noch 691 Videotheken als eingetragene Mitglieder.

Im Jahr 2013 waren es noch 395. Und Ende 2016 wurden nur noch 179 Videotheken landesweit gezählt, wie Jörg Weinrich, geschäftsführender Vorstand des Branchenverbandes, auf Redaktionsnachfrage erläutert. Es sei der "illegale Internethandel mit Videos", der das Videotheken-Sterben ausgelöst und befördert habe, sagt Weinrich. Dazu seien allerdings auch die steigenden Mietpreise für die Geschäftsräume und die Mitarbeiterlöhne gekommen, die für viele Videotheken nach Einführung der Mindestlöhne das Ende bedeutet hätten, beklagt der Branchen-Sprecher.

Quelle: NGZ
 
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