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Grevenbroich
Die wilden Foodtrucker mit dem US-Bus

Grevenbroich: Die wilden Foodtrucker mit dem US-Bus
Aus dem sonnengelben Foodtruck heraus servieren die wilden Kerle Réné Deppe (vorn) und Michael Naß kreative Spezialitäten. Ganz bevorzugt bereiten sie aus Wildschwein kulinarische Köstlichkeiten. FOTO: Lothar Berns, V. von Dolega
Grevenbroich. Seit Kindertagen sind René Deppe und Michael Naß Freunde. Jetzt machen die beiden auch beruflich gemeinsame Sache - zusammen sind sie als Caterer unterwegs. Ihr Konzept ist nicht irgendeins, sondern wild. Von Valeska von Dolega

Dass das "wilde Ding" das Herz schwingen lässt, ist musikalisch längst verbrieft. Michael Naß und René Deppe zeigen eine neue Facette des Wilden - nämlich wie es sich geschmacklich anlässt. Dafür haben die beiden Grevenbroicher im März ein Catering-Unternehmen gegründet. Das natürlich "Wild Thing" heißt. Und das sich auf Kulinarika rund ums Wild spezialisiert hat. "Wir machen gerne etwas, das nicht in jede Schublade passt", sagen sie übereinstimmend.

Auf die Idee zum Wild-Konzept kamen sie beim Besuch des letztjährigen Feierabendmarkts. "Es fehlt Wild", konstatierte Michael Naß (47). Der Mann ist nicht nur Küchenmeister und unterrichtet am Berufskolleg die Nachwuchsköche. Ebenso wie René Deppe (35), gelernter Schreiner, jetzt Vertriebler und mit starker Affinität zu Essen und Genuss, ist er Jäger. "Wild ist das beste Fleisch überhaupt. Mehr Bio geht nicht", wissen sie. Also tüftelten sie ein bisschen an Rezepturen, kamen schnell zu dem Schluss, zu Reh, Wildschwein und Co. bevorzugt Produkte aus der Region und immer Saisonales zubereiten zu wollen. So weit, so klar. Ihre wilde Küche sollte nun aber nicht irgendwo, sondern in einem Food Truck sein. Gemeinsam - die beiden kennen sich quasi ein Leben lang, gingen als Kinder an der Seite ihrer Väter auf die Pirsch, sausen zusammen über Skipisten und erkunden Tauchreviere - hatten sie bereits Oldtimer fit gemacht. Für ihr neues Unternehmen sollte eigentlich ein altes Feuerwehrauto zur Futterstation umfunktioniert werden.

Der Kauf platzte und anstelle dessen entdeckten sie einen ziemlich heruntergewirtschafteten Bus. "Da waren Bänke drin, er hatte einen Holzboden und war blau", beschreibt René Deppe, wie der "Cool Bus", der inzwischen in einem markanten gelb die Blicke auf sich zieht, ausschaute. "Das waren fünf Wochenenden Arbeit. Wir wussten ja, was wir wollten", sagt Deppe rückblickend über den Aus- und Umbau des Busses. Auch der Name war rasch gefunden. Etwas mit "Wild" sollte es sein. Und weil es die wilden Kerle schon gab, entschieden sie sich für Wild Thing. Mit einem Wildschwein als Logo.

Als sie Freunden und Verwandtschaft vom Konzept erzählten, sagten die ebenso übereinstimmend: "ihr seid bekloppt!", erinnert sich das Duo. Aber der Laden läuft, "Wild ist eben viel mehr als der totgeschmorte Braten", sagt Küchenchef Naß. "Da kann man toll was Kurzgebratenes draus machen, Carpaccio und Tatar gehen ebenso." Experimentierfreudig sind sie, "zu Hause essen wir alles quer durch den Garten", sagt René Deppe. Nur frisch zubereitet muss es sein, "da kann man ruckzuck pfiffig was selber machen". Wie das schmeckt, lässt sich bei einem Reh-Burger mit Thymian und Fenchel feststellen. Die Wildschweinbratwurst wird auf Rotkohl-Ingwer-Salat serviert, und auch mit Artverwandtem wie einem Vitello Tonnato wissen sie umzugehen. Den Geschmack von Wildschwein beispielsweise in Worte zu fassen, fällt beiden schwer. Es habe jedenfalls nicht mit dem eines handelsüblichen Stück Schwein aus der Kühltheke des Supermarkts zu tun. "Das muss man einfach selber probieren", machen sie Appetit.

Die wilden Sachen laufen laut Eigenaussage richtig gut. So stark, dass kurzfristig bereits über die Anschaffung eines zweiten Food Trucks nachgedacht wurde.

"Aber vor allem soll das Ding weiter Spaß machen", außerdem wäre eine solche Erweiterung zu schnell, und es soll ja noch Zeit für Privates bleiben. Für spannende Reisen beispielsweise. "Wir sind oft und viel unterwegs - und kommen immer wieder gerne nach Grevenbroich zurück", machen sie ihrer Heimatstadt eine Liebeserklärung.

Quelle: NGZ
 
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