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Grevenbroich
"Dom an der Erft" feiert seinen 140. Geburtstag

Grevenbroich: "Dom an der Erft" feiert seinen 140. Geburtstag
Das Gustorfer Gotteshaus aus der Kirchturmhahn-Perspektive. St. Maria Himmelfahrt wurde vor 140 Jahren - im Juni 1876 - geweiht. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Gut betuchte Geschwister legten den Grundstock für ein imposantes Gotteshaus. Die Kirche wurde erst zwei Jahre nach ihrem Bau geweiht. Von Wiljo Piel

Warum die Gustorfer und Gindorfer stolz auf ihre Kirche sind, kann Konrad Sturm mit einem Satz beschreiben: "Sie ist eine Rarität am Niederrhein", sagt das Mitglied des Ortsausschusses. Und damit liegt er richtig. Denn was Größe und Ausstattung betrifft, sucht St. Maria Himmelfahrt ihresgleichen in der näheren und weiteren Umgebung. Nicht umsonst wird das Gotteshaus ehrfürchtig auch "Dom an der Erft" genannt. Und das schon seit 140 Jahren - ein Grund zum Feiern.

Alte Dokumente belegen, dass Gustorf schon 1269 eine Kirche hatte. Mitte des 19. Jahrhunderts konnte sie ihren Zweck allerdings kaum noch erfüllen, da die Gemeinde auf mehr als 2000 Mitglieder angewachsen war. Es musste ein neues Gotteshaus her - und dafür sorgten Johann Adolph, Maria Mechthilde und Franz Joseph Sinsteden. "Die Geschwister waren Besitzer der Gustorfer Mühle und zahlreicher Ländereien, und dementsprechend gut betucht", sagt Konrad Sturm.

Stolze 26.000 Taler - seinerzeit eine Riesensumme - stiftete die Familie für den Neubau einer Kirche. Ihre Bedingung: Sie sollte am Platz des alten Gotteshauses entstehen und im Stil der Kölner Minoritenkirche gebaut werden. Dass diese Wünsche erfüllt wurden, dafür sorgte der renommierte Düsseldorfer Architekt August Rincklake. Seine Pläne für einen Bau im neugotischen Stil fanden großen Beifall.

"Die alte Kirche wurde 1872 abgerissen, im Sommer des selben Jahres begannen die Bauarbeiten für die neue", zitiert Konrad Sturm aus der Geschichte des "Erftdoms". Im Herbst 1874 konnte das Gotteshaus fertiggestellt werden, doch geweiht wurde es erst am 24. Juni 1876 - es waren die Wirren des Kulturkampfes, die für eine Verzögerung von fast zwei Jahren sorgten.

Von der ursprünglichen Innenausstattung ist nichts mehr vorhanden. Doch beeindruckend ist St. Maria Himmelfahrt nach wie vor: Der Chorraum mit der Apsis wird dominiert von einem Hochaltar, der von einem aufwendig gestalteten Baldachin aus Messing überdacht ist. "Er ist eine Schenkung der Jesuiten aus dem belgischen Namur", erklärt Konrad Sturm. Auch die große Orgel im Westen des Mittelschiffs ist eine Rarität: Das unter Denkmalschutz stehende Instrument mit 1200 Pfeifen und 23 Registern ist eine der letzten Orgeln, die der bekannte Baumeister Johann Stockhausen (1843-1917) aus Linz am Rhein selbst baute.

In der Taufkapelle hängen Kopien der mittelalterlichen Gustorfer Chorschranken, deren Originale sich seit 1938 im Bonner Landesmuseum befinden. "Damals wurden sie für 56.000 Reichsmark verkauft, heute sind sie Millionen wert", sagt Sturm. Eine weitere Besonderheit: Im Jahr 2000 wurde mit einem Carillon am Turm ein Herzenswunsch von Pfarrer Harrie de Zwart erfüllt - 37 Glocken spielen seitdem Melodien für jeden Anlass, vom Marienlied bis zum Karnevalsschlager.

Am nächsten Samstag, 18. Juni, 17 Uhr, haben die Gustorfer und Gindorfer die Gelegenheit, ihre Kirche gebührend zu feiern. Zum 140. Weihetag wird dann ein Gottesdienst in St. Maria Himmelfahrt zelebriert.

Quelle: NGZ
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