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Mein lieber Nachbar
Ehrenamtler-Ehepaar mag's gern bescheiden

Mein lieber Nachbar: Ehrenamtler-Ehepaar mag's gern bescheiden
Susan und Reimer Schubert haben sich in Amerika kennengelernt. 1985 haben sie dort auch geheiratet, zogen danach nach Büttgen. FOTO: Lothar Berns
Büttgen. Für das Ehepaar Reimer und Susan Schubert aus Büttgen ist es eine Selbstverständlichkeit, sich für Menschen in ihrer Nachbarschaft einzusetzen und ihnen zu helfen. Von Bärbel Broer

Wie schwer es ist, in einem Land zu leben, dessen Sprache man nicht beherrscht, weiß sie genau: Susan Schubert, gebürtig aus einem Vorort westlich von Philadelphia (USA), war 35 Jahre alt, als sie 1983 zunächst für ein Sabbatical nach Deutschland kam und dann der Liebe wegen blieb und dadurch auch erst nach Büttgen kam. Weil sich die mittlerweile pensionierte Grundschullehrerin gut an ihre eigenen Startschwierigkeiten erinnern kann, engagiert sie sich ehrenamtlich als Flüchtlingshelferin und unterrichtet Vorschulkinder in deutscher Sprache.

"Ich fühlte mich an meine Anfänge hier erinnert", sagt sie. Schuberts Deutsch ist einwandfrei, nur ihr Akzent lässt erahnen, dass sie amerikanische Wurzeln hat. Noch in ihrer Heimat hatte sie ihren späteren Mann, Reimer Schubert, kennengerlernt. Der gebürtige Bremer lebte mit seiner damaligen, auch aus Deutschland stammenden Frau und zwei Kindern bei Philadelphia, arbeitete als Ingenieur in den USA. Sein Sohn Tobias ging in die erste Klasse, die von Susan unterrichtet wurde.

Zwischen der alleinstehenden Lehrerin und der deutschen Familie wuchs eine Freundschaft, die auch hielt, als Schubert mit seiner Familie längst wieder nach Deutschland zurückgekehrt war. Seine erste Ehe scheiterte, und nach der Scheidung wurden ihm die Kinder zugesprochen. 1985 heirateten Susan und Reimer Schubert in Amerika, kehrten dann nach Büttgen zurück. Ehrenamtliches Engagement ist beiden sehr wichtig. Doch sobald Aufhebens darum gemacht wird, ist es ihnen eher unangenehm. Dabei ist der Kalender des Paares, das sich zudem oft um seine drei Enkelkinder kümmert, voller Termine.

Während der 77-Jährige als Schiedsmann tätig ist, trifft sich Susan Schubert regelmäßig mit drei anderen Ehrenamtlerinnen im Jugendzentrum der Lukaskirche in Holzbüttgen, um Vorschulkindern Deutsch beizubringen.

Das notwendige Material stellte die 67-Jährige selbst zusammen, kaufte zahlreiche Kinderbücher und erarbeitete unzählige Grammatikbögen liebevoll am PC. Mittels farbenfroher Piktogramme lernen die Kinder spielerisch Präpositionen, Artikel, Adjektive und Substantive.

Schubert ist zudem noch als Lesepartnerin aktiv und betreut seit Oktober vergangenen Jahres ein Mädchen einer zweiten Grundschulklasse. Darüber hinaus unterstützt sie die ambulante Hospizbewegung in Kaarst, bietet gemeinsam mit anderen Ehrenamtlern Sterbebegleitung an und unterstützt Schwerkranke sowie deren Angehörige in häuslicher Umgebung.

Seit Monatsbeginn sind Susan und Reimer Schubert gemeinsam wieder für die Braunsmühle in Büttgen aktiv, die sich über das Mühlencafé finanziert. Mit Eröffnung der Sommersaison (seit dem vergangenen Wochenende), helfen sie an einem Sonntag pro Monat im Café neben dem alten Mühlenturm: Sie übernimmt den Ausschank, er kassiert anschließend ab.

Quelle: NGZ
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