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Ein alter Koffer voller Geschichte(n)

Grevenbroich. Auf der Suche nach einem originellen Geschenk für seine Liebste stößt der Berliner Journalist Elias Ehrenwerth bei einem türkischen Trödler auf einen alten Koffer. Der trägt zufällig die Initialen seiner Freundin, L.W., eine vergilbte Visitenkarte weist ihn einem gewissen Dr. Leonhard Weinheber zu. Was hat es mit diesem Koffer auf sich? Und wer war Leonhard Weinheber? Ehrenwerths Neugier ist geweckt, und er beginnt zu recherchieren. Das ist die Ausgangssituation für einen ebenso kurzen wie komplexen Roman, in dem Michel Bergmann seinen Protagonisten wie seine Leser zwischen Berlin und Israel, zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her reisen lässt.

Denn Weinheber war ein junger jüdischer Schriftsteller, der 1939 aus Deutschland nach Palästina emigrierte. Sein Koffer kam in Tel Aviv an, er selbst war und blieb verschwunden. Bergmann erzählt von Ehrenwerths Begegnungen mit ehemaligen Mitreisenden, von seiner Faszination für die Briefe und Manuskripte, die der Koffer enthielt, von seinem Bemühen, die Mosaiksteine aus Weinhebers Geschichte zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

Die elegante Sprache in Weinhebers Briefen und Manuskripten trifft auf den schnoddrigen Jargon der Gegenwart, jüdische Lebenswirklichkeit von einst auf heutige Realität. Michel Bergmann erzählt so schnörkellos wie eindringlich von Heimatverlust und Heimatsuche - einem Thema, das heute ebenso aktuell ist wie in den 1920er und 1930er Jahren.

Michel Bergmann: Weinhebers Koffer. Zürich 2015. 160 S. , 16,90 Euro.

"Korschenbroich liest"-Initiatorin Rita Mielke gibt Buchtipps für die Freizeit.

Quelle: NGZ
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