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Grevenbroich
Ein Denkmal für vertriebene Frösche

Grevenbroich: Ein Denkmal für vertriebene Frösche
Robert Beerscht in Aktion: Der Bildhauer aus Münchrath verwandelt einen 1,5 Tonnen schweren Basaltlava-Stein in einen Frosch. Die Skulptur wird am 9. Juli im Orkener Park an der Blumenstraße enthüllt. FOTO: CvB
Grevenbroich. Bildhauer Robert Beerscht arbeitet an einer Skulptur, die im Juli im Orkener Park aufgestellt wird. Sein Frosch ist ein Symbol für die Artenvielfalt auf diesem Gelände. Sogar die Vereinten Nationen sind darauf aufmerksam geworden. Von Wiljo Piel

Der 1,5 Tonnen schwere Basaltlava-Stein hat Robert Beerscht auf Anhieb gefallen. Denn irgendwie sah der Klotz aus dem Eifler Steinbruch schon ein bisschen nach Amphibie aus - zumindest für sein geschultes Künstlerauge. Seit Wochen arbeitet der Bildhauer aus Münchrath nun daran, aus dem groben Rohling einen schmucken Frosch herauszuschlagen. Der soll am 9. Juli als eine Art Denkmal im Orkener Park aufgestellt werden - zur Erinnerung an die vielen Frösche, die sich dort einmal getummelt haben.

Die ersten Siedler, die ihre Häuser zwischen Blumen- und Richard-Wagner-Straße errichteten, wurden seinerzeit "De Lück vom Höppdekraade-Eng" genannt - die Leute aus dem Froschviertel. "Das passte. Denn damals war es rundherum noch sehr sumpfig, ein wahres Paradies für Amphibien", berichtet Carmen von Borzestowski von der Bürgeraktion "Orkener Park". Sozusagen als Entschuldigung für die Frösche, die mit der Zeit vom Menschen vertrieben wurden, soll ihnen nun ein Denkmal gesetzt werden. Und daran arbeitet Robert Beerscht.

Die Initiative hat in den vergangenen Jahren fleißig gespart, um sich diese Skulptur leisten zu können. "Sie ist eine Herzensangelegenheit, weil sie auch stellvertretend für die Natur steht, die wieder Einzug in den Orkener Park gehalten hat", berichtet Kassiererin Luise Coenen. Dass es mit Fauna und Flora in der kleinen grünen Lunge stimmt, das haben die Mitglieder der Bürgeraktion um Manfred Bartz nun auch Schwarz auf Weiß - und zwar von höchster Stelle: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat den Orkener Park soeben als offizielles Projekt der UN-Dekade "Biologische Vielfalt" ausgezeichnet - weil er einen Lebensraum für viele Arten bietet, die sich von dort aus in die Umgebung ausbreiten.

"Auf diese seltene Auszeichnung sind wir richtig stolz", sagt Carmen von Borzestowski: "Damit wurden unsere Bemühungen um den Park belohnt, der ursprünglich einmal von der Stadt bebaut werden sollte."

Vögel wie Zilpzalp, Singdrossel und Zaunkönig brüten dort, seltene Pflanzen wie eine wilde Orchidee mit dem putzigen Namen "Breitblättriger Stendelwurz" haben sich angesiedelt. "Und auch das Wiesenschaumkraut, die Blume des Jahres 2007, vermehrt sich zusehends", sagt Luise Coenen zufrieden. Der Orkener Park habe sich damit zu einem "biologischen Trittstein" zwischen dem Bend, den städtischen Grünanlagen und privaten Gärten entwickelt. "Er bietet einen Mehrwert für die Stadt", sagt Coenen.

Nach der Enthüllung des Frosch-Denkmals - in deren Rahmen auch die UN-Urkunde übergeben wird - haben die zwölf Mitglieder noch einiges vor mit "ihrem" 2252 Quadratmeter großen Orkener Park. So sollen zum Beispiel die Reste des alten Bunkers, der sich unter dem Gelände befindet, künftig hervorgehoben werden. "Er hat während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg vielen Orkenern das Leben gerettet - daran wollen wir erinnern", sagt Carmen von Borzestowski. Die Bürgeraktion plant, die Konturen des Bunkers mit Margeriten und Randsteinen nachzuzeichnen, darüber hinaus soll auch der noch erhaltene Seiteneingang sichtbar gemacht werden - "vielleicht mit einer Panzerglasscheibe darüber".

Ideen für den kleinen Park gibt es viele. Nun bereiten sich die zwölf Mitglieder der Initiative aber erst einmal auf die Übergabe ihres Denkmals vor, das mit einem Traktor von Münchrath nach Orken transportiert werden soll. Rund um den kleinen Frosch soll übrigens ein kleines Feuchtbiotop angelegt werden, mit Wasserpflanzen, die es schon gab, als die Frösche vertrieben wurden. Und wer weiß - vielleicht kommen sie ja wieder.

Quelle: NGZ
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