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Grevenbroich
Ein Schloss voller gruseliger Geheimnisse

Grevenbroich: Ein Schloss voller gruseliger Geheimnisse
Deborah Dolf führt auch durch die alten Kasematten von Schloss Hülchrath mit sechs Meter hohen Gewölben - ein geheimnisvoller Ort. FOTO: lothar Berns
Grevenbroich. Hexen wurden dort zum Tode verurteilt, in den Mauern finden sich alte Grabsteine. Eine Führung durch Schloss Hülchrath ist ein Geheimtipp. Von Carsten Sommerfeld

Festlich ist der Raum geschmückt, die Stühle sind mit weißen Bezügen bedeckt, alles ist bereit für das nächste "Ja"-Wort. Auf Schloss Hülchrath schließen glückliche Paare den Bund fürs Leben, doch der Raum dafür hat einen hohen Gruselfaktor. "Hier fanden früher Hexenprozesse statt", erklärt Deborah Dolf, die durch das Schloss führt. Das ist nicht das einzige Geheimnis, das Besucher in der alten Burg "entdecken" können.

Deborah Dolf hat ihre mittelalterliche Tracht angelegt, seit dreieinhalb Jahren führt die junge Frau, Erzieherin von Beruf, durch die historische Anlage. Sie kennt die Geschichten rund ums Schloss, seine Geheimnisse und Besonderheiten.

Eine Burg wie aus dem Bilderbuch ist die Wehranlage mit ihren mächtigen Mauern noch heute, die Ursprünge gehen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück. Beim Gang um die Mauern scheint man fast das Kriegsgeschrei, das Klirren der Schwerter zu hören. Immer wieder wurde um die Burg gekämpft. Im so genannten Hexenturm dagegen war vom 1. bis 16. Jahrhundert wohl häufig das Wehklagen verurteilter Frauen zu hören, die bei Hexenprozessen dort verurteilt wurden - "weil sie Heilkundige waren oder rote Haare hatten, weil sie als Hebamme mit einem Kindstod in Verbindung standen oder weil ihr Ehemann sie denunziert hatte", schildert Dolf. Nicht mehr zu sehen sei die Falltür, durch die die armen Verurteilten in den Kerker gelassen darunter wurden, auf sie wartete der Tod auf dem Scheiterhaufen.

Schaudern lässt einen auch beim Blick in die Höhe. Oben am Turm sind beim genauen Hinsehen besondere Steine zu erkennen - ein weiterer Beleg dafür, was Menschen anderen Grausames angetan haben. "Beim Bau im 14. Jahrhundert wurden jüdische Grabsteine mit hebräischen Inschriften verwendet", erläutert Dolf. Die Kölner hätten damals Juden aus der Stadt vertrieben, deren Friedhöfe seien geplündert, die Grabsteine als Baumaterial verwendet worden.

Deborah Dolf steigt eine steile Steintreppe hinab in die "Unterwelt" des Schlosses. In den Kasematten herrschen zehn bis zwölf Grad - angenehm angesichts der Hitze draußen. "Hier war früher das Waffenlager, wurden auch Lebensmittel gelagert", schildert Dolf. Heute werden dort Partys gefeiert. Im Zweiten Weltkrieg dagegen dienten die Kasematten als Luftschutzbunker. "Vor kurzem war ein 84 Jahre alter Mann hier und erzählt, wie er hier mit seiner Familie gelebt hat", schildert Dolf. "600 Menschen haben damals im Schloss gewohnt."

Deutlich angenehmer als in den Kasematten dürfte es im Rittersaal mit Schwertern am Kamin zugegangen sein. Doch wer glaubt, dass dort im Mittelalter Ritter getafelt hätten, irrt gewaltig. Der Saal wurde erst um 1910 geschaffen. Den "Berufsstand" der Rittersleut', die mit ihren Rüstungen ins Gefecht zogen, gab es da schon lange nicht mehr.

Quelle: NGZ
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