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Grevenbroich
Eine Chance für Flüchtlinge

Grevenbroich: Eine Chance für Flüchtlinge
Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (Mitte) stattet der Ausbildungswerkstatt einen Besuch ab. FOTO: A. Tinter
Grevenbroich. Seit einem Jahr bereitet Hydro acht junge syrische Männer mit "Metall-Hintergrund" auf eine Ausbildung im Unternehmen vor. Als Schlüssel zum Weg in die Industrie erweist sich dabei die Sprache. Von Julia Hagenacker

Amar Latif hat es geschafft: Im August hat der 18 Jahre alte Syrer eine Ausbildung im Hydro-Alluminiumwerk in Grevenbroich begonnen. Zwei Jahre hat er in Deutschland die Schule besucht. Jetzt ist er fit genug, um zu lernen, wie man die hochmodernen Maschinen und Anlagen führt. Latif ist damit ein echtes Vorbild. Insgesamt bereitet Hydro derzeit acht junge Flüchtlinge auf eine Ausbildung vor. Sie lernen löten, Stromkreise aufzubauen, Industriemechanik rund ums Aluminium - aber zuallererst Deutsch. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke sieht darin "eine wirklich starke Leistung für Integration und Teilhabe".

Gemeinsam mit dem Flüchtlingsbeauftragten des Kreises, Benjamin Josephs, haben Petrauschke und Kreisdirektor Dirk Brügge jetzt die Ausbildungswerkstatt bei Hydro besucht. Geeignete Aspiranten für das Projekt zu finden, sei anfangs schwierig gewesen, berichtete Managerin Stephanie Törkel. Damals - vor einem Jahr - habe die Arbeit der Betreuungsinstitutionen gerade erst begonnen. Bei der Lösung, sagt Törkel, hätten vor allem Ehrenamtliche geholfen. "Weil sie die Flüchtlinge mit ihren Schicksalen und mit ihren Talenten persönlich kennengelernt haben."

Die Mühe, so scheint es, hat sich trotzdem gelohnt. Ein Kandidat, heißt es, habe so gewandt und kundig gewirkt, dass ihn die Abteilung Logistik direkt berufsvorbereitend für die kaufmännische Arbeit aufnahm. Auch Rheinwerk und Alunorf in Neuss haben schon Hospitanten eingestellt. Ein junger Mann absolviert jetzt sogar ein Einstiegsqualifizierungsjahr.

Als Schlüssel zum Weg in die Industrie erwies sich dabei die Sprache. Anstatt die gefundenen Bewerber mit "Metall-Hintergrund" mangels Deutschkenntnissen wieder wegzuschicken, bietet Hydro seit dem 1. März Deutschstunden in seiner Ausbildungswerkstatt an. Zeitgleich dürfen die Schüler regelmäßig berufsvorbereitend in Betrieb und Übungen hineinschnuppern. Die Nähe von Kursus und Werk, Theorie und Praxis treibe die Schüler an, heißt es. Dennoch müsse man sie sehr behutsam leiten. Deshalb entschied Werkleiter Christoph Budde mit der Personalabteilung, auch eigene Vorgesetzte zu schulen: "In diesen Tagen veranstalten wir ein interkulturelles Kompetenztraining für alle hier, die mit Flüchtlingen zu tun haben", sagt er.

Acht junge Männer lernen aktuell in den Vorbereitungskursen aufs Berufsleben. Alle sind alleine nach Deutschland gekommen, die Familien sind in der Türkei oder in Syrien. Sie wohnen in Grevenbroich, privat oder im Heim, sind Muslime oder orthodoxe Christen und seit November 2015 im Rhein-Kreis Neuss. Ende Januar 2017 steht ihre Prüfung zur sprachlichen Fähigkeitsstufe B1 an. Wer sie besteht, könnte im Sommer 2017 bei Hydro als Auszubildender weitermachen oder zumindest ein Einstiegsqualifizierungsjahr beginnen. "Alle sind hochmotivierte und flexible Schüler, nur mit der Sprache als Hürde. Um in der Arbeitswelt voll zu bestehen, müssten sie eigentlich auch den B2-Abschluss meistern", sagt Integrationshelferin Vanessa Guerra. Sie leitet die Sprachklasse, die das Technologiezentrum Glehn organisiert hat.

Landrat Petrauschke lobt die Hydro-Initiative: "Dort ist zu spüren: Die Flüchtlinge wollen möglichst schnell etwas lernen und leisten", sagt er. "Wir dürfen sie, gerade in ihrem jungen Alter, nicht hängen lassen, sondern sollten sie immer beschäftigt halten."

Quelle: NGZ
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