| 00.00 Uhr

Grevenbroich
Eine Künstlerin auf Finlays Spuren

Grevenbroich. Auf Initiative des Verkehrsvereins zeigt Gabriela Drees-Holz ab dem 28. Mai Kunst im Haus Hartmann. Von Julia Hagenacker

Das Leben läuft nie einfach nur geradeaus. Es hat Brüche: Höhen und Tiefen, die zu Wendepunkten werden. Und am Ende kommt ganz oft etwas Positives dabei heraus. Gabriela Drees-Holz hat das selbst erfahren. 35 Jahre lang war die 60-Jährige Oberstudienrätin am Marienberg-Gymnasium in Neuss, bis sie 2015 in vorzeitigen Ruhestand ging, um sich voll und ganz der Kunst zu widmen. "Mein größter persönlicher Bruch im Leben war meine Gehbehinderung", sagt sie. "Damit habe ich lange zu kämpfen gehabt - und irgendwann akzeptiert."

Seither läuft die Künstlerin, die in Kolumbien geboren wurde und in Liedberg das Kunsthaus "Dreho" aufgebaut hat, an bunten Gehstöcken, farblich passend zu jedem Outfit. Anlässlich des zehnten Todesjahrs des schotteischen Gartenkünstlers Ian Hamilton Finlay "schenkt" sie Grevenbroich jetzt eine Ausstellung im Haus Hartmann. Unter dem Titel "Lebenszeiten - Lebenstuch/Lebensbrüche/Lebensfäden/Lebensträume" werden ab 28. Mai, 19.30 Uhr, eigens angefertigte große und kleine Textilwandobjekte gezeigt, die allesamt eine besondere Verbindung zu Finlay haben.

Der Künstler hat in der Schlossstadt Skulpturen, Inschriften und Büsten hinterlassen, mit denen an die europäische Geistesgeschichte des 17. und 19. Jahrhunderts erinnert wird. "Was für eine wertvolle ,Marke' die Stadt da besitzt, wissen allerdings die wenigsten - auch nicht die Grevenbroicher", sagt Wilfried Wolff vom Verkehrsverein. Seit vergangenem Jahr kümmern sich die Mitglieder mit viel Engagement um die Pflege des Finlay-Parks zwischen Schloss und der Alten Feuerwache. Zum zehnten Todesjahr soll das Gesamtkunstwerk nun mit verschiedenen Veranstaltungen bis in die Niederlande bekannt machen - als "wichtigen Ort der Landschaftskunst im Rhein-Maas-Gebiet". Die Ausstellung ist ein Teil des Programms.

Wilfried Wolff hat den Kontakt zu Gabriela Drees-Holz hergestellt. "In meinen Werken greife ich eines der Lebens- und Kunstthemen Finlays auf: die Doppelbödigkeit und Fragilität menschlichen Lebens", sagt die Korschenbroicherin. "In etlichen seiner Arbeiten zeigt Finlay vordergründig Schönes, das bei genauerer Betrachtung aber Brüche thematisiert." Ihre Textilobjekte lassen diese Brüche in einer Dreidimensionalität erkennen: Aufgespannter und teilweise in Falten gelegter Stoff steht für die Vergangenheit, die darüber gelegte Garnebene für die Gegenwart und Stoffteile, die von unten nach oben geholt wurden, für die Vereinigung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - zu etwas Positivem. Dieser Dreh, sagt die Künstlerin, sei der Unterschied zwischen ihren und Finlays Werken.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Grevenbroich: Eine Künstlerin auf Finlays Spuren


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.