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Grevenbroich
Erdstöße hinter der Stadtgrenze durch Tagebau verursacht

Grevenbroich. Gegen 7 Uhr morgens bebte gestern die Erde, schwankte für einige Sekunden der Norden Bergheims direkt hinter der Grevenbroicher Stadtgrenze. "Es ist denkbar, dass dies vereinzelt auch Menschen in Grevenbroich gespürt haben", erklärt Klaus Hinzen, Leiter der Erdbebenstation Bensberg der Uni Köln. Laut den Messungen in Bensberg erreichten die Erschütterungen eine Stärke von 2,4 auf der Richterskala. Das Besondere: Für die Stöße waren allem Anschein nach keine gewaltigen Kräfte tief unten in der Erde verantwortlich, sondern Menschenhand. Der Herd wurde relativ nah in einer Tiefe von nur ein bis zwei Kilometern ausgemacht. "Die Erschütterungen wurden wahrscheinlich durch den Bergbau verursacht, das Zentrum liegt direkt am Rekultivierungsgebiet des Tagebaus Bergheim", erläutert Guido Steffen, Sprecher von RWE Power. "In diesen Fällen sprechen wir nicht vom Erdbeben, sondern vom Erdstoß."

Obwohl das Gebiet bereits um das Jahr 2000 verfüllt wurde, könne es noch zu solchen Stößen beispielsweise durch Grundwasserabsenkungen kommen. "Wir werden jetzt dass Karten-Material genau studieren, um die Ursache herauszufinden", kündigt Steffen an.

Erinnerungen werden wach. Eine Grundwasserabsenkung im Tagebau Garzweiler war im Dezember 2008 für Erdstöße verantwortlich, die Gustorfer und Jüchener aufschreckten. Das Epizentrum lag am nördlichen Tagebaurand. Eine Stärke von bis zu 2,2 wurde auf der Richterskala gemessen.

Ein "richtiges" Erdbeben erlebten die Grevenbroicher dagegen im April 1992. Viele wurden aus dem Schlaf gerissen, Gläser klirrten im Schrank. Das sogenannte Roermond-Beben erreichte eine Stärke von 5,9. Die Folgen waren auch weitab des Epizentrums an der niederländisch-deutschen Grenze zu sehen. Der alte Kreissitzungssaal in Grevenbroich musste wegen schwerer Schäden gesperrt werden und wurde abgerissen. Und am Neurather See sackte auf einer Fläche von 900 Quadratmetern das Ufer ab.

(cso-)
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