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Grevenbroich
Erntezeit bei der Mühle Kottmann

Grevenbroich. Etliche Ladungen Roggen und Weizen von umliegenden Feldern wurden in den vergangenen Tagen eingelagert. Der traditionsreiche Mühlenbetrieb spezialisiert sich zunehmend auf Dinkel und Biogetreide, liefert in viele Länder. Von Carsten Sommerfeld

Sommerzeit ist Erntezeit - auch für die Mühle Kottmann. "In den vergangenen zwei Wochen hatten wir viel zu tun. Wir haben rund 1000 Tonnen Roggen und Qualitätsweizen von unseren eigenen Feldern und von Höfen aus der Umgebung erhalten", erklärt Hans Hermann Kottmann. "Unser Silo ist gut gefüllt", sagt sein Vetter Wolfgang Kottmann. Bis zu 20 Ladungen am Tag wurden an der Brückenstraße angeliefert.

In früheren Jahren ging es zur Erntesaison in der Mühle noch geschäftiger zu, der bis auf das Jahr 1894 zurückgehende Familienbetrieb hat seinen Schwerpunkt mehr und mehr auf Dinkel und Bio-Getreide verlagert, die Anlieferung erfolgt das ganze Jahr. "Dinkel ist stark im Kommen, Grund dafür ist das gestiegene Gesundheitsbewusstsein", sagt Hans Hermann Kottmann. Der mittelgroße Mühlenbetrieb liege in diesem Segment unter "den ersten drei Betrieben in Deutschland". Mit 20.000 Tonnen macht die Weizen-Urform fast die Hälfte der jährlichen Vermahlung von 45.000 Tonnen aus - ebenso viel Biogetreide wird gemahlen. "Rund 150 Produkte verlassen die Mühle", berichtet Wolfgang Kottmann.

In der Geschäftsleitung steht gerade ein Generationswechsel an. Hans Hermann Kottmann (70) hat sich aus der Leitung zurückgezogen. Neben Wolfgang Kottmann (64) gehören zum Team Birgit Kottmann (39) und nun auch Michael Kottmann (29). Nach Maschinenbaustudium und Müllerausbildung hat er seinen Meister gemacht und sein Diplom als Müllerei-Techniker; gerade erst ist er aus St. Gallen zurück.

Draußen kommt die nächste Ladung an. Als Erstes sticht eine mehrere Meter lange Lanze in die Lkw-Fuhre, nimmt Proben - die werden sofort im Labor auf Proteingehalt, Feuchtigkeit und anderes analysiert. Nach der Qualitätskontrolle geht's zu Abladestelle, 27 Tonnen Dinkel rinnen in einen Schacht. Im Inneren des rund 25 Meter hohen Mühlengebäudes durchlaufen frühere Lieferungen eine intensive Bearbeitungsprozedur, die zunächst aus einem besteht: reinigen, reinigen und nochmals reinigen.

Maschinen sieben Fremdkörper, Magnete ziehen Eisenbestandteile heraus, Spelzen werden abgesaugt. Ein Steinausleser trennt das Korn von kleinen Steinchen. Am Farbausleser erkennen Kameras im Roggen Mutterkörner, die mit Druckluft entfernt werden - 3900 Teilchen in der Minute werden so separiert. Sogar ein Röntgen-Scanner kommt zum Einsatz.

"Wir brauchen Spitzenqualität, deshalb ist die Reinigung sehr wichtig", sagt Wolfgang Kottmann beim Rundgang und zitiert einen Müllerspruch: "Gut gereinigt ist halb vermahlen." Auf dem Mahlboden zerkleinern 17 Mühlen das Getreide, das zwischen den Mahlvorgängen auf den Siebboden eine Etage höher befördert wird. Dort rütteln und vibrieren tonnenschwere Siebschränke, die an elastischen Schilfrohren aufgehängt sind.

Am Ende stehen - je nach Auftrag - Mehle, Schrot, Kleie und Grieß. "Wir liefern bundesweit, aber auch etwa nach Frankreich, Spanien Irland, Polen und in die Niederlande", erklärt Birgit Kottmann.

Quelle: NGZ
 
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