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Grevenbroich
EU-Regel bringt Dachdecker in Nöte

Grevenbroich: EU-Regel bringt Dachdecker in Nöte
An vielen Dächern, in denen statt Glaswolle Styroporplatten mit Flammschutzmittel als Dämmmaterial eingebaut sind, können Dachdecker derzeit nicht arbeiten. Sie finden keine Entsorger für das Altmaterial. FOTO: dpa
Grevenbroich. Die Handwerker finden keine Entsorger mehr, die giftige Styroporplatten aus alten Dächern verbrennen dürfen. Das lässt die Kosten explodieren und sorgt auch in Grevenbroich für Baustopps. Fast alle Dachdecker lassen Projekte ruhen. Von Christian Kandzorra

Seit dem 1. Oktober gibt es auf vielen Baustellen Ärger: Dachdecker, die ein altes Dach sanieren, können einen bis zum Jahr 2014 vor allem in Flachdächern und Fassaden oft verbauten Dämmstoff aus Polystyrol (besser bekannt als Styropor) nicht mehr entsorgen, weil dieser durch eine EU-Verordnung als Sondermüll eingestuft wird. Das Problem: In vielen Styroporplatten ist ein flammhemmendes Mittel verarbeitet, das jetzt als giftig gilt. Deutschlandweit gibt es nach Auskunft mehrerer Branchenvertreter derzeit kein einziges Entsorgungsunternehmen, das den Abfall verbrennen darf. Das ließ die Kosten für die Entsorgung von einer Tonne Styropor in den vergangenen Tagen schlagartig von etwa 200 Euro auf mehrere tausend Euro steigen - Kosten, die die Dachdecker auf ihre Kunden umlegen müssen. Normale Aufträge werden damit auch für die Grevenbroicher Dachdeckerbetriebe zu echten Problemfällen; fast alle haben in den vergangenen Tagen Baumaßnahmen auf Eis gelegt oder Sanierungsaufträge gar nicht erst angenommen.

Dachdeckermeister Uwe Holl aus Wevelinghoven etwa spricht von einem "Riesenproblem": "Die komplette Branche wird, was die Sanierungen betrifft, stillgelegt. Und das in einer Jahreszeit, in denen es ohnehin nicht so viele Aufträge gibt." Problematisch seien nicht nur die immensen Kosten, sondern auch die Tatsache, dass viele "Zwischenentsorger" - dazu zählen Containerdienste, die den Müll abholen - gar nicht mehr wissen, wohin sie ihn bringen sollen. Containerdienst-Betreiber Andreas Schulz aus Grevenbroich zählt zu den Unternehmern, die kein Alt-Styropor mehr annehmen, das vor 2014 hergestellt wurde. "Die Verbrennungsanlagen dürfen das Material derzeit nicht annehmen. Ich würde es nicht loswerden", sagt Schulz, der jetzt schon befürchtet, dass das Styropor mit dem giftigen Flammschutzmittel bald von Umweltsündern illegal entsorgt wird.

Sollte es in den nächsten Wochen einen starken Sturm geben, sieht Dachdeckermeister Uwe Holl "schwarz": "Ich kann den Kunden nicht sagen, wann und zu welchem Preis wir ihr beschädigtes Dach sanieren können." Er selbst hat die Styroporplatten in einigen Häusern verbaut. "Es gab bis 2014 kein anderes Material. Viele Menschen, die vor wenigen Jahren eine teure energetische Sanierung in Auftrag gegeben haben, müssen bei der nächsten Sanierung damit rechnen, dass die Dämmstoffe als Sondermüll behandelt werden", erklärt Uwe Holl. Die Kosten für die Sanierung eines Quadratmeters Flachdach zum Beispiel könnten damit um bis zu 50 Prozent steigen.

Auch die Dachdecker Friedhelm Koch und Hans Brüggen haben seit zwei Wochen genau mit diesen Problemen zu kämpfen. Beide Grevenbroicher Betriebe lassen Aufträge ruhen und hoffen wie Dachdeckerverbände auf eine rasche Lösung. In Reaktion auf Baustopps würde sich laut Dachdeckerverband Nordrhein der Zorn vieler Bauherren sofort auf die Dachdeckerbetriebe entladen, die für die neue EU-Verordnung gar nichts können. Auch die Verbände haben keine Lösung parat, gefragt seien jetzt die Politiker.

Quelle: NGZ
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