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Grevenbroich
Experte warnt vor Spinnenpanik

Grevenbroich. In Grevenbroich war der Ammen-Dornfinger schon vor zehn Jahren ein Thema. Von Julia Hagenacker

Frage: Was haben Kaiman Sammy, Problembär Bruno und die im Mittelmeerraum gebürtige und derzeit medial omnipräsente Ammen-Dornfinger-Spinne gemeinsam? Aus der Sicht des städtischen Umweltbeauftragten Norbert Wolf ist die Antwort klar: "Das sind alles Sommerloch-Tiere", sagt er. Natürlich seien Spinnen in der globalisierten Welt immer mal wieder Thema. Stichwort: Bananenkiste. "In diesem Fall", sagt Wolf, "ist aber nicht der Klimawandel das Problem, sondern die nachrichtenarme Zeit. Denn wenn, dann ist das Tier nicht erst seit gestern bei uns auf dem Vormarsch."

Tatsächlich wurde in Grevenbroich bereits vor zehn Jahren über den Ammen-Dornfinger, die einzige auch für Menschen gefährliche Giftspinne Mitteleuropas, und seine Ausbreitung berichtet. Im August 2006 fischte ein Hoistener mehrere daumennagelgroße Tierchen mit gelblich-braunem Kopf von der Oberfläche seines Schwimmbeckens und gab sie im Grevenbroicher Schneckenhaus ab. Schon seit den 1990er Jahren, hieß es damals, sei der Dornfinger stetig nach Norden gewandert - gefördert durch den Klimawandel. Seinerzeit, 2006, wurde die Giftspinne auch nördlich des Mains und nahe des Kaiserstuhls gesehen. In Österreich, erzählte Wolf, sei eine regelrechte Hysterie um den Dornfinger ausgebrochen. Allein in der Notaufnahme des Linzer Krankenhauses meldeten sich 190 Personen mit vermeintlichen Spinnenbissen - nur acht von ihnen klagten über die typischen Symptome wie Schwindel, Brechreiz und Kreislaufbeschwerden.

Ob es sich bei den Hoistener Exemplaren tatsächlich um eine giftige Unterart des Dornfingers handelt, ließ Norbert Wolf 2006 von einem Experten für Spinnen klären. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft "Spinnen NRW" gab kurz darauf Entwarnung: Die Rote Sechsaugenspinne, ein Spezialist für Kellerasseln und Insekten, und nicht der Dornfinger schwamm im Pool. Und dennoch: Meldungen über die bissige Giftspinne und ihre vermeintlichen Opfer häuften sich, sagte der Experte schon damals. Für Norbert Wolf klingt das heute wie "alles schon mal gehört".

Dass Menschen im Vorbeigehen vom Dornfinger gebissen werden, halten Fachleute ohnehin für eher unwahrscheinlich. Und selbst wenn, heißt es: Nur in Ausnahmefällen seien etwa Kreislaufprobleme die Konsequenz.

Quelle: NGZ
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