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Grevenbroich
"Extrabreit"-Sänger Kai Havaii erinnert an die wilden Achtziger

Grevenbroich. Achtziger- Jahre-Feeling pur in der ausverkauften Villa Erckens: Kai Havaii, einst Sänger der Band "Extrabreit", sang alte Hits und las aus seinem autobiografisch geprägten Buch "Hart wie Marmelade". Mit dabei: Der Gründer von "Extrabreit", Stefan Klein - der Gitarrist, der als Stefan Kleinkrieg auftritt.

Und dann war da noch ein Stefan: Stefan Pelzer-Florack machte auf die alten Anarchos mächtig Eindruck, indem er zur Gitarre griff und bei einem Song mitmischte: "Dass uns ein ausgewachsener Kulturamtsleiter begleitet, wäre vor 35 Jahren nicht denkbar gewesen", lobte Kai Havaii, der als Kay Schlasse vor 59 Jahren das Licht der Welt in Hagen erblickte.

Mit Alkohol und Heroin ist er nicht eben sparsam umgegangen. Aber wer befürchtet hatte, jetzt ein Wrack auf der Bühne der Villa Erckens mit ansehen zu müssen, war sehr schnell erleichtert: Der 59-Jährige zeigte sich rank, schlank und in Bestform. Der Sohn eines Werbeberaters und einer Werbetexterin hat offenbar die entsprechenden Gene geerbt: Die Kostproben aus seinem Buch, das wie ein früher Song "Hart wie Marmelade" heißt, entpuppte sich als kleines literarisches Meisterwerk. Kai Havaii blickte mit Ironie auf die wilde Zeit in der alternativen Szene.

Noch heute ist sie unverkennbar, die Freude an schrägen Geschichten eines Unangepassten, dem die Villa Ercken übrigens gut gefiel: "Ne nette Location." Kai Havaii entführte die Besucher in eine Welt der linken Spontis, der schrägen Originale. Und er zeichnete mit Worten klar erkennbare Bilder. Da war zum Beispiel der "Mann mit der Goldrandbrille und der Rainer-Barzel-Frisur" - der Abteilungsleiter des Hagener Quelle-Kaufhauses, bei dem "Extrabreit" aufspielen durfte - die Fans machten aus dem Konzert eine "kleptomanische Orgie" und es schien, es hätte Kai Havaii Spaß daran gehabt. Leicht lädierte Typen sind es auch, die in den "Extra-breit"-Songs vorherrschen, zum Beispiel das "Besatzungskind".

Kein Wunder, dass Stefan Pelzer-Florack "Extrabreit" nicht als typische Vertreter der "Neuen Deutschen Welle" sieht - schließlich kamen sie aus dem Punkrock und ihre Texte wurden damals von den Staatsautoritäten als provokativ und verunglimpfend empfunden. "Die Polizei-ei-ei", tönte es durch die altehrwürdige Villa und ganz zum Schluss kam - so Havaii - "das Lied für die schulpflichtigen Kinder": "Hurra, die Schule brennt."

(barni)
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