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Grevenbroich
Extrem-Wanderer ist zurück aus Polen

Grevenbroich. Klaus Lüttgen (54) hat seinen 1776 Kilometer langen Fußmarsch nach Polen beendet. Ziel war der Heimatort seiner verstorbenen Mutter – Ujscie. Jetzt ist er nach Grevenbroich zurückgekehrt und plant eine Film-Dokumentation. Von Andreas Buchbauer

Nach drei Wochen spürt man die Füße nicht mehr. Klaus Lüttgen spricht kurz über den Schmerz, den er gefühlt hat. Dann hält er inne und macht mit der linken Hand eine Bewegung, die "Alles halb so wild" bedeuten soll. "Hart war es am Anfang in der Tat. Ich habe richtig gelitten", sagt der 54-Jährige. "Aber irgendwann merkt man nichts mehr davon. Man marschiert einfach, immer geradeaus." Klaus Lüttgen ist marschiert, stolze 1776 Kilometer weit bis ins polnische Ujscie, immer einen Fuß vor den anderen. Es war eine sehr persönliche Reise, denn die Wanderung führte ihn in die eigene Vergangenheit. Ujscie, jenes rund 270 Kilometer nördlich von Breslau gelegene 4000-Einwohner-Städtchen, war der Heimatort seiner Mutter. "Sie starb, als ich vier Jahre alt war", sagt Klaus Lüttgen.

Der lange Fußmarsch nach Polen war daher auch eine Spurensuche. Lüttgen wollte herausfinden, wie seine Mutter lebte, wo ihre und damit auch seine Wurzeln sind. Der Grevenbroicher wanderte allein, mit einem 20-Kilo-Rucksack auf den Schultern. Jeden Tag legte er zwischen 20 und 30 Kilometer zurück, manchmal auch ein bisschen mehr. Stets mit dabei war seine Videokamera. Lüttgen möchte eine Dokumentation über seine Reise fertigen, der Arbeitstitel lautet "Mein langer Weg nach Hause". Aber er wird auch andere Filme aus dem Material schneiden – über die Menschen, die er traf. Sie haben ihn nachhaltig beeindruckt.

Auf seiner Reise boten ihm wildfremde Menschen ein Quartier für die Nacht. Abends beim Essen kamen sie mit dem Fremden aus Deutschland, der sich auf diesen langen, beschwerlichen Fußweg gemacht hat, ins Gespräch. Mancherorts blieb Lüttgen mehrere Tage. "Zum Abschied gab es mitunter Tränen", sagt er. "Ich bin ein Mensch, der sehr sorgsam mit dem Begriff ,Freund' umgeht. Aber ich habe unterwegs Freunde gewonnen. Davon bin ich überzeugt." Man merkt ihm die vielen Eindrücke, die er unterwegs gesammelt hat, an. Jetzt, wo er wieder zurück in Grevenbroich ist, sei er um einen zweiten Heimatort reicher. In Ujscie hat Lüttgen das Haus seiner Mutter besucht. Dass er es überhaupt fand, hat er Anna Chmielnik zu verdanken. Die 91-Jährige erinnerte sich an Lüttgens Mutter Grete-Hedwig Maaß und deren Familie. Den Kontakt hatte Klaus Lüttgens Gastgeberin Lubomira Cielsielska hergestellt. "Sie öffnete mir in Ujscie Tür und Tor, denn sie kennt dort praktisch jeden", betont Lüttgen.

Jetzt sucht der Reisende, der mit dem Fahrrad 2011 quer durch Kanada nach Alaska fuhr, jemanden, der ihm beim Schneiden des Videomaterials hilft. Seine Kanada-Reise wurde sogar im Fernsehen gezeigt. Lüttgen hofft, dass es auch für seine Wanderung nach Polen ähnliches Interesse gibt. Seine Erfahrungen hat er unter www.rocktheroads.de im Internet zusammengefasst.

Quelle: NGZ
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