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Grevenbroich
Familienunternehmen in fünfter Generation

Grevenbroich: Familienunternehmen in fünfter Generation
Stulle, Schnittchen oder Pausen-Snack - beste Zutaten für ihre Backwaren verwendet Katharina Winkel-Fuhrmann. FOTO: Dieter Staniek
Grevenbroich. Katharina Winkel-Fuhrmann führt die 1806 gegründete Bäckerei in Allrath seit 43 Jahren. Urlaub und Ausschlafen kennt sie vom Erzählen. Von Valeska von Dolega

Backen ist keine Hexerei. Um qualitativ hochwertige Produkte herstellen zu können, braucht es gute Zutaten, adäquate handwerkliche Verarbeitung und ein Quantum Zeit. So wie in der von Katharina Winkel-Fuhrmann geführten Bäckerei. 1806 von ihrem Ururgroßvater gegründet, ist der Betrieb bis heute in Familienhand.

"Meine Schwester und ich haben schon als junge Mädchen mitgeholfen", erzählt die inzwischen 59-Jährige über die Anfänge. Und weil die ältere Schwester sich nach der Schule für ein Lehramtsstudium entschied, "bin ich halt im Betrieb geblieben". Dort absolvierte sie ihre Ausbildung, strebte den Meister an und seitdem agiert sie als Chefin. "Außer meinem Vater konnte mir nie einer reinreden", sagt sie.

Seit etwa 43 Jahren klingelt bei ihr frühmorgens der Wecker. "Inzwischen erst um 4 Uhr", lächelt sie über eine Zeit, zu der andere sich gemütlich im Kissen kuscheln, sie aber die Schürze umbindet. "Mein Körper hat sich längst daran gewöhnt", und den Begriff "Urlaub" kennt sie mehr vom Hörensagen als durchs Tun. "Darauf freue ich mich, wenn ich mal Rentnerin bin."

Sie mag ihren Beruf, ihre Spezialität und Leidenschaft sind Kuchen. Tradition und Fortschritt kombiniert sie dabei, vom klassischen Sahnekuchen bis zu eigenen Kreationen reicht die Palette. Steht eine Taufe an, arbeitet sie mit Schnullern verzierte Torten, soll es was Süßes für den Liebsten sein, gibt es Sahnenuss mit Marzipan im Herzformat und roten Früchten wie Erdbeeren oder Kirschen garnierte Leckereien.

"Es ist der Kunde, der entscheidet", pragmatisch werden dessen Wünsche umgesetzt. Und damit die Ideen nicht ausgehen, experimentiert Katharina "Käthi" Winkel-Fuhrmann schon mal in der Backstube. Wirklich missraten ist ihr noch kein Back-Experiment, "höchstens dass ich mich mal mit der Zeit vertan habe". Was nicht in den Verkauf geht, "müssen wir selbst essen", sagt sie mit Blick auf Ehemann Rolf - der mit der Bäckerei rein gar nichts zu tun hat.

Ihren Betrieb "Bäckerei" zu nennen, trifft zwar den Kern des Geschäfts, aber nicht das Drumherum. "Eigentlich sind wir ein Tante-Emma-Laden", sagt sie über das Konzept als Nahversorgerin am Allrather Platz. Denn außer ihren berühmten Torten und Kuchen, Brötchen und Broten gibt es hier alles, was aus Broten leckere Schnittchen, Stullen oder Pausen-Snacks macht, Wurst zum Beispiel. Nicht abgepackt, sondern von einem befreundeten Metzger, der quasi jedes seiner Tiere beim Namen kennt.

"Qualität ist wichtig", benennt sie ihr Credo. Das Prinzip gilt in der Bäckerfamilie seit Generationen und auch, wenn die Konkurrenz aus sehr preiswerten Teiglingen in Supermärkten es der gelernten Bäckerin schwer macht, hält sie an dem Motto fest. "Das schönste ist das Lob der Kunden", freut sie sich über anerkennende Worte. Die gibt es aber auch dafür, dass die Auswahl an Zeitschriften und Illustrierten fast wie am Kiosk ist und gestresste Mitmenschen nach Feierabend hier noch ein kühles Bier kaufen können. "So lange ich gesund bin, bin ich im Geschäft." Was dann eines schönen Tages wird, ist noch ungewiss. Keines der drei Kinder möchte den Betrieb übernehmen.

Quelle: NGZ
 
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