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Grevenbroich
Fichtenrodung gefährdet Graureiher-Population

Grevenbroich. Bäume sind durch Borkenkäferbefall erkrankt.

Ärmlich und zerrupft sehen die letzten Tannen an der Sportanlage "Zum Türling" in Orken aus. Dass sie so wenig volles Grün haben, ist die Schuld des Borkenkäfers. Und eh der unliebsame Rindenbrüter weitere Bäume schädigt, scheint dem Schädling im kurzen Prozess der Garaus gemacht worden zu sein - Bäume inklusive.

"Von der Fichtenschonung ist nichts übrig", empört sich Spaziergänger Eric Kleinschmidt im Gespräch mit unserer Redaktion. "Da ist alles platt, nur einzelne Bäume sind stehen geblieben." Trostlos sehe das aus. Allerdings ist die veränderte Optik nicht der einzige Grund für Kleinschmidts Empörung: In den Fichten brüteten Reiher. Und die gelten nicht allein als streng schützenswerte Art, diese Tiere sind in den vergangenen Jahren bereits "umgesiedelt" worden.

Ursprünglich lebte die Reiherkolonie in den Fichten im Wäldchens an der Gerberstraße. Bis die Bäume dort erkrankten, umzustürzen drohten und deshalb gefällt wurden. Um den Vögeln ein neues Zuhause, an dem sie wie bislang nisten können, zu bieten, haben der Umweltbeauftragte Norbert Wolf, Reiher-Spezialist Bernd Rosenkranz und Freikletterer Wolfgang Komanns Nestattrappen ins neue Domizil gesetzt. "Ein riesiger Aufwand", wie Norbert Wolf sich an die Umsetzung der Brutkolonie erinnert. Übrigens bundesweit erstmalig, dass ein solches Unterfangen erfolgreich unternommen wurde. Bereits kurz nach ihrem unfreiwilligen Umzug nisteten die ersten Brutpaare - nicht in den künstlichen Eigenheimen: Sie hatten das Material aus den Attrappen zum Bau eigener Horste im gleichen Baumverwendet. Der Biologe Oliver Tillmanns hat die Entwicklung der Reiher dokumentiert und ausgewertet.

Wo sich die umgesiedelten Tiere aufhalten, ist zurzeit unklar.

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