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Grevenbroich
"Fisch des Jahres" ist in der Stadt selten geworden

Grevenbroich: "Fisch des Jahres" ist in der Stadt selten geworden
Der Dreistachelige Stichling ist der "Fisch des Jahres 2018". FOTO: Fiedler
Grevenbroich. Früher gingen Jungs auf die Jagd nach "Dreistacheligen Stichlingen", die im Volksmund "Pickfött" genannt wurden. Von Vera Straub-Roeben

Als Hans Mentzen ein kleiner Junge war, hat er mit seiner Familie an der Unterstraße in Wevelinghoven in unmittelbarer Nähe zur Erft gewohnt. "Ein Paradies für Jungs", erinnert sich der 79-Jährige. "Mein Vater ging, wie alle in meinen Augen ,älteren Leute', gerne und regelmäßig angeln. Dabei rumzusitzen, war mir zu langweilig." Also beschloss er, selbst auf Fischfang zu gehen.

"Hinter dem Stift in Wevelinghoven gab es früher einen Wassergraben. Den haben wir mit unseren Eimerchen unsicher gemacht und kleine Fische gesammelt", erinnert er sich. Das mussten wohl Stichlinge gewesen sein. "Wir haben die Fischchen, die wir zu Hause im Glas gehalten haben, Pickfött genannt." Im neuen Jahr steht dieser Stichling, genauer der Dreistachlige Stichling, im Fokus, denn er ist der "Fisch des Jahres 2018". Das freut nicht nur Hans Mentzen, sondern auch Norbert Wolf vom Grevenbroicher Umweltzentrum Schneckenhaus: "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Kind Stichlinge gefangen habe. Sie haben sozusagen mein Interesse an der Natur geweckt, das seit nunmehr etwa 60 Jahren anhält", sagt der städtische Umweltbeauftragte und lacht.

Vielleicht auch dehalb ist der Stichling der klassische Kleinfisch, den er sich immer vorstellt, wenn er Kinder mit Stiefelchen, Eimer und Aquariumkescher am Ufer der Erft sieht. "In meiner Jugend war der Stichling ein Allerweltsfisch. Durch die Verschmutzung und Verbreiterung von kleinen Gewässern sieht man ihn leider nicht mehr so häufig." Vielen Aquaristikern sei der kleine Räuber zudem aber sicher bekannt. "Viele haben mit ihm angefangen, sich in das Thema hineinzufinden", meint Wolf. Räuber deshalb, weil sich der Stichling von allem ernährt, was sich so im Wasser bewegt, zum Beispiel von Würmern, Kleinkrebsen oder Mückenlarven.

"Neben seinem charakteristischen Aussehen zeichnet sich der Dreistachlige Stichling vor allem durch sein Brutverhalten aus", weiß Norbert Wolf. Die gewandten Schwimmer, wissenschaftlich "Gasterosteus aculeatus" genannt, haben drei markante Stachel an der Schwanzflosse. Zur Laichzeit verändern sie ihr Verhalten grundlegend: "Die Männchen suchen im Flachwasser Brutreviere und verteidigen sie vehement gegenüber Artgenossen. Innerhalb kurzer Zeit bauen sie ein Nest und locken Weibchen mit silberblau funkelnden Augen und rot gefärbter Brust samt Unterwassertanz zur Eiablage heran", sagt Wolf. Später beschützen die Männchen auch den geschlüpften Nachwuchs noch mehrere Wochen. "Dadurch können Stichlinge es sich durchaus leisten, nur wenige Eier zu legen", erklärt Wolf. "Übrigens ist ein männlicher Stichling in der Werbunsgphase auch für das menschliche Auge sehr reizvoll", fügt er augenzwinkernd hinzu.

In Grevenbroich findet man die fünf bis acht Zentimeter großen Fische vor allem in strömungsberuhigten Flachwasserbereichen. "Sie sind nicht so kräftig, um sich dauerhaft gegen eine Strömung zu wehren", meint der Umweltbeauftragte. Für Norbert Wolf haben sich die Tiere ihren Titel als Fisch des Jahres 2018 redlich verdient, denn: "Sie stehen als Synonym für intakte Kleingewässer, naturnahe Fließgewässer mit kleinen Kurven, wo sie ihren Lebensraum, aber auch ihr Vermehrungsgebiet finden."

Quelle: NGZ
 
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