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Grevenbroich
Flüchtlinge lernen im Caritas-Kaufhaus

Grevenbroich: Flüchtlinge lernen im Caritas-Kaufhaus
Im Caritas-Kaufhaus qualifizieren sich die Projekt-Teilnehmer für den Arbeitsmarkt - eine Chance auch für Tanja Hellmuth und Sven van der Ploeg. FOTO: L. berns
Grevenbroich. Unter den 26 Teilnehmern der Qualifizierungsmaßnahmen im Caritas-Kaufhaus sind auch anerkannte Flüchtlinge. Ein Beitrag zur Integration. Von Susanne Niemöhlmann

Die Spendenbereitschaft der Grevenbroicher hat angesichts der Flüchtlingskrise offenbar zugenommen. "Generell ist das Spendenaufkommen leicht erhöht", bestätigt Dieter Busch, Leiter des Caritas-Kaufhauses, das bei der Stadt Grevenbroich als Stelle für Flüchtlingsspenden registriert ist. Etwa 350 Kartons mit Kleidung werden an der Bergheimer Straße übers Jahr verwahrt - sortiert und griffbereit, wenn etwa 150 Menschen in einer Meerbuscher Notaufnahme ein Komplett-Outfit benötigen. Kein Problem für den gelernten Einzelhändler Busch. Ein Annahme-Stopp, wie er andernorts bereits ausgesprochen wurde? Das kommt für Dirk Jünger nicht in Frage. "Auch eine Abgabe nach tagesaktueller Meldung: ,Heute nur Kinderstrümpfe' oder so etwas fände ich nicht sinnvoll", winkt der Abteilungsleiter Soziale Dienste bei den Caritas-Sozialdiensten Rhein-Kreis Neuss ab, "schließlich spenden die Menschen in guter Absicht, und es ist unser Job, das zu organisieren."

Gut zehn Minuten Fußmarsch sind es von der Notunterkunft in der Alten Feuerwache zum Caritas-Kaufhaus, wo gebrauchte, aber gut erhaltene Ware preiswert erhältlich ist: Kleidung und Möbel, Haushaltsgegenstände, Bücher und Spiele. Ob unter den Besuchern der Verkaufsräume auch Flüchtlinge sind, kann Dieter Busch allenfalls vermuten. "Sie sind genauso willkommen wie jeder andere Kunde, da machen wir keinen Unterschied", sagt er, und Jünger ergänzt: "Im Kaufhaus bezahlen sie wie jeder andere auch."

Ob Menschen mit knappem Budget, Fans von Second-Hand-Mode oder Schnäppchenjäger - den "typischen" Kunden gibt es im Caritas-Kaufhaus nicht. "Und darüber sind wir froh", versichert Dirk Jünger, "die Begegnung verschiedener sozialer Gruppen ist gerade erwünscht." Immerhin geht es beim Caritas-Kaufhaus, das Jünger nicht in erster Linie als "Kleiderkammer" verstanden wissen möchte, vor allem um eins: Integration. Auch - oder sogar vor allem - beim Personal. Denn das besteht aus derzeit 26 "Teilnehmern" unterschiedlichen Alters, meist Langzeitarbeitslosen, darunter auch Flüchtlinge, deren Status anerkannt ist und die Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben. "Diese Menschen in unsere Arbeitsprojekte zu integrieren, wird künftig wahrscheinlich noch stärker auf uns zukommen", erwartet Dirk Jünger, "aber nicht in einer gesonderten Maßnahme nur für diese Gruppe, sondern im Rahmen der ganz normalen Projekte."

Für alle Teilnehmer ist die Beschäftigung im Caritas-Kaufhaus die Chance, sich zu qualifizieren und ins Erwerbsleben zurückzufinden. Sie lernen, professionell begleitet, sich selbst wieder etwas zuzutrauen, ihren (Berufs-)Alltag zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. "Gleichzeitig bauen sie wieder soziale Kontakte auf, denn oftmals sind sie durch die lange Arbeitslosigkeit vereinsamt", erklärt Sozialpädagogin Silvia Wolter, die in der psychosozialen Beratung tätig ist, "hier arbeiten sie im Team und gestalten vielleicht auch einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam."

Quelle: NGZ
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