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Grevenbroich
Flüchtlinge ziehen in Grimm-Turnhalle

Grevenbroich: Flüchtlinge ziehen in Grimm-Turnhalle
FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. 2300 weitere Flüchtlinge werden laut Verwaltung bis Ende 2016 in Grevenbroich erwartet. Unterkünfte sind schon jetzt. rar. Eine weitere wird in der Turnhalle der Gebrüder-Grimm-Grundschule geschaffen. Zeltstädte sind nicht mehr tabu. Von Andreas Buchbauer und Wiljo Piel

Die Stadt muss schnellstmöglich weitere Flüchtlingsunterkünfte schaffen. Sozialdezernent Claus Ropertz betont, dass dringend Lösungen her müssen. "Allein für diese Woche sind uns 60 weitere Flüchtlinge fest zugewiesen worden, bis Ende nächster Woche kommen noch einmal 60 hinzu", sagt er. Bis Ende des Jahres erwartet Ropertz bis zu 300 weitere Flüchtlinge, die in Grevenbroich untergebracht werden müssen - und schlägt für das kommende Jahr Alarm. "Da müssen wir - Stand jetzt - mit bis zu 2000 weiteren Flüchtlingen rechnen." Möglicherweise müsse dann sogar über die Unterbringung in sogenannten Zeltstädten nachgedacht werden.

Zwar möchte der Sozialdezernent dies am liebsten vermeiden. Aber es könne der Moment kommen, in dem es keine andere Möglichkeit mehr gebe. Denn der Handlungsbedarf ist groß - und wächst. "Momentan leben in Grevenbroich rund 600 Flüchtlinge, die uns kommunal zugewiesen worden sind. Ende 2015 werden es wohl 900 sein - und Ende des nächsten Jahres etwa 2900", sagt Ropertz. Hinzu kommen die 150 Flüchtlinge, die im Zuge der Amtshilfe in der Notunterkunft der Stadt aufgenommen wurden.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Zumindest eine Lösung für die ersten 50 bis 60 Neuankömmlinge, die jetzt erwartet werden, ist gefunden. Die Turnhalle der Gebrüder-Grimm-Grundschule in Wevelinghoven wird als Unterkunft hergerichtet. "Wir werden sie kurzfristig brauchen", sagt Ropertz. Unter anderem Sportangebote können daher in der Turnhalle nicht mehr stattfinden. Wie lange das Gebäude genutzt werden soll, steht noch nicht fest.

Gerüchte, dass die Turnhalle zur Flüchtlingsunterkunft hergerichtet werden soll, kursierten gestern Morgen bereits unter den Eltern der Wevelinghovener Grundschüler. "Es ist bedauerlich, dass es dazu keine offiziellen Informationen der Stadt gibt", sagte ein Vater gegenüber unserer Redaktion: "Wir Eltern wollen doch wissen, wie es vor Ort weitergehen soll. Etwa ob der Sportunterricht unserer Kinder ausfallen oder an anderer Stelle stattfinden wird." Die Stadtverwaltung wird reagieren und die Fragen der Eltern beantworten: "In der kommenden Woche wird es einen Informationsabend für die Eltern geben", sagt Ropertz. Die Schüler hätten gestern einen entsprechenden Brief der Schulleitung als Einladung mit nach Hause bekommen.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Die Wevelinghovener Turnhalle wird aber vermutlich kein Einzelfall bleiben. "Auch weitere solche Räumlichkeiten werden auf den Prüfstand kommen", sagt Ropertz. Bislang habe man es vermieden, Turnhallen zu nutzen, die sich unmittelbar auf einem Schulgelände selbst befänden. Doch dies sei endlich. "Das Land schickt uns die Flüchtlinge, und wir müssen Lösungen zur Unterbringung finden", betont Ropertz. Doch die seien in der Kürze, in der die Zuweisungen durch das Land erfolgen, schwer zu finden. Zumal der alte Supermarkt in Gindorf, der zurzeit hergerichtet wird, erst Ende Dezember als Unterkunft zur Verfügung stehe. Beim Containerdorf an der Gillbachstraße dauere es bis Anfang 2016. Wenn dann auch noch Möglichkeiten zur Unterbringung platzen - wie kürzlich die Anmietung von zehn Wohnungen durch die Stadt - schlage das merklich ins Kontor.

Claus Ropertz und seine Kollegen sind daher ständig auf der Suche nach möglichen Unterkünften. Der Dezernent mahnt jedoch, dass vom Land und vom Bund mehr Hilfe kommen müsse. Grevenbroich sei schließlich kein Einzelfall. Die Probleme, die sich in der Schlossstadt stellen, seien auch andernorts gang und gäbe. "So kriegen es die Kommunen auf Dauer nicht weiter hin", mahnt Ropertz.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

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Quelle: NGZ
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