| 00.00 Uhr

Grevenbroich
Fotograf auf der Suche nach der alten DDR

Grevenbroich: Fotograf auf der Suche nach der alten DDR
FOTO: Kai Stefes
Grevenbroich. Der Grevenbroicher Kai Stefes legt mit seinem Bildband eine spannende Bestandsaufnahme des deutschen Ostens im Jahr 2014 vor. Von Susanne Niemöhlmann

Es gibt sie noch, die Relikte der früheren DDR: den Kiosk vor den Plattenbauten in Magdeburg-Nord, Fahrbahnen aus Betonplatten abseits der Hauptverkehrsrouten, die Glienicker Brücke, an der Ost und West ihre Agenten austauschten. "Aber diese Motive sind selten geworden, man muss danach suchen", sagt Kai Stefes. Der Grevenbroicher Fotograf hat sie auf einer mehrwöchigen Motorradtour durch die neuen Bundesländer gefunden - und zusammen mit zahlreichen anderen Aufnahmen in einem Bildband veröffentlicht, der jetzt im Westkreuz-Verlag erschienen ist. "Durch den Osten - was war, was ist, was bleibt?" ist der Titel der Publikation, die in den Grevenbroicher Buchhandlungen erhältlich ist. Es ist zugleich die Überschrift der Ausstellung in der Versandhalle auf der Stadtparkinsel, die noch bis zum 20. Dezember insgesamt rund 30 Motive aus dem Fotoband zeigt.

Knapp vier Wochen war Stefes auf seiner Rundreise unterwegs, legte dabei fast 3500 Kilometer zurück: stilecht auf einer rund 50 Jahre alten MZ ES 250/1, made in GDR. Die Maschine besitzt inzwischen ebenso Kult-Status wie die Kamera, mit der der gelernte Fotograf auf Motivjagd für seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen ging: eine Pentacon Six. Dabei waren sie einst für den jungen Mann vor allem kostengünstig gewesen. Ein Ostalgiker, das versichert der 45-Jährige, sei er jedenfalls nicht. "Mich fasziniert vor allem die Wende, die friedliche Revolution", sagt er, "und ich bewundere die Kraft, die dahinter steckte." Die Idee zum Foto-Motorrad-Trip ist gut zehn Jahre alt. Doch erst 2014, ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer, machte Stefes sich auf den Weg, um mehr zu erfahren über die DDR, Menschen zu begegnen, die etwas über die spannende Zeit der Wende mitzuteilen hatten, Zeugnissen nachzuspüren. Für Vorbereitung und Recherche nahm er sich mehr als ein Jahr Zeit. Heute sagt er: "Menschlich hat sich weitgehend bestätigt, was ich erwartet hatte: Die meisten sind froh, dass es das DDR-System nicht mehr gibt. Aber sie hätten vielleicht das eine oder andere mit herübernehmen wollen und fühlen sich etwas überfahren."

Auf einer alten MZ ES 250/1 erkundete der Grevenbroicher Kai Stefes die ehemalige DDR. Jetzt ist ein Bildband mit seinen Fotos erschienen FOTO: K. Stefes

Es sind Bürgerrechtler; ein Ehepaar, das über die Prager Botschaft in den Westen floh; Menschen, die die Wende als Kind erlebten, die Kai Stefes ablichtete und befragte. Auch der "Formgestalter" Karl Clauss Dietl kommt zu Wort, von dem der Grundentwurf für den Wartburg stammt und der 2014 den Bundesdesignpreis für sein Lebenswerk erhielt. Mehr als 1000 Fotos brachte Stefes mit zurück nach Grevenbroich: Während die Hauptaufnahmen, die Motive, um derentwillen er die Reise unternommen hatte, in Schwarz-Weiß gehalten sind, ergänzen die farbigen Bilder eher dokumentarisch seine Beschreibungen. Eine Auswahl zu treffen, fiel nicht leicht. "Die Fotos wachsen einem ans Herz. Aber zuletzt sind auch einige Bilder, die ich sehr mag, nicht ins Buch gekommen, weil sie nicht ins Gesamtgefüge passten." Natürlich hofft er nun, dass sein Werk auch andere interessiert, aber das war nicht die erste Motivation: "Ich hätte es auf jeden Fall gemacht."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Grevenbroich: Fotograf auf der Suche nach der alten DDR


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.