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Grevenbroich
Fotografien von Georg Berg erzählen Geschichten

Grevenbroich. Jeder Fotograf tickt anders, jeder braucht einen anderen Anlass, um auf den Auslöser zu drücken. Georg Berg hat einen ganz besonderen Anspruch: "Hinter jedem meiner Bilder steckt eine Geschichte", sagt er. Noch bis zum 1. Mai ist eine Auswahl der Fotos des 62-jährigen Grevenbroichers in der Galerie Judith Dielämmer zu sehen.

Kurz zur "Geschichte" von Georg Berg: Er studierte in Köln Chemie und Philosophie, arbeitete bis vor einem Jahr beim WDR als Kameramann und zuletzt in der Internet-Redaktion. Seit einem Jahr kann er sich ganz auf seine geliebte Fotografie konzentrieren. Das ist sicher kein fachmännisches Kriterium für gute Fotografie, aber ein hervorstechendes Merkmal der Fotos des Grevenbroichers: Die Bilder kommen sympathisch rüber und mitunter springt sogar so etwas wie Bewunderung oder das Gefühl des Gerührt-Seins vom Foto auf den Betrachter über.

Das gilt besonders für das Foto, auf dem ein betagtes Paar sich eine Ausstellung anschaut. Der Mann scheint ganz bei der Sache zu sein - eigentlich nichts Besonderes, bis man seinen weißen Blindenstock sieht. Der Verlust der Sehkraft hat ihm den Spaß an Museumsbesuchen nicht nehmen können. Das Foto, das auch auf der Einladungskarte zu sehen ist, zeigt drei Roboter, die je ein Musikinstrument beherrschen. "Und das ist mein Lieblingsbild", sagt Georg Berg und zeigt auf die großformatige Arbeit vom Fischerhafen in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Erde.

Rund 150 Menschen sind dort beschäftigt, dass sie fotografiert wurden, schien niemand zu bemerken. Die Armut in Sierra Leone, sie ist für den Betrachter von diesem Foto nicht ablesbar - und von den meisten anderen Afrika-Impressionen auch nicht. Berg wirft einen wohlwollend-ironischen Blick auf den Kontinent. Die Imbissbude mit der Aufschrift "Eat good Food", die trotz ihrer Erbärmlichkeit auch eine kleine Portion Heiterkeit ausstrahlt, ist ebenso bemerkenswert wie die beiden Jungs, die vergnügt von der Schule nach Hause rennen - sie wirken so, als versprächen sie sich von einer soliden Bildung eine gute, sichere Zukunft.

Georg Berg zeigt vor allem Farb-, aber auch Schwarzweißfotos. Einige davon haben dokumentarischen Charakter: Der 62-Jährige zeigt mehrere Fotos vom Wellenbad in Neurath, als dort längst schon kein Wasser mehr für Wellen sorgte.

Die Ausstellung, die "Verwirrung und Verwirklichung" heißt, ist immer freitags von 19 bis 21 Uhr und sonntags von 16 bis 8 Uhr geöffnet. An den kommenden drei Freitagen, ab 19.30 Uhr, wird Ehefrau Angela Berg kulinarisches Grün zum Fotorundgang an der Alte Bergheimer Straße 7 anbieten.

(barni)
 
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