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Grevenbroicher Hobbyfotograf
Fotos zeigen Elfgen vor der Umsiedlung

So war Alt-Elfgen, bevor es dem Tagebau weichen musste
So war Alt-Elfgen, bevor es dem Tagebau weichen musste FOTO: W. Faßbender
Grevenbroich. Durch einen Zufall tauchten seltene Fotos in einem Keller auf. Die Tochter des Hobbyfotografen Willy Faßbender hat sie gerettet. Die Farbaufnahmen zeigen den alten Ort in den 70er Jahren, bevor er dem Braunkohletagebau zum Opfer fiel. Von Christian Kandzorra

Über Jahrzehnte standen sie fast vergessen in einem Keller, jetzt sind sie durch Zufall wieder aufgetaucht: Fotos aus Alt-Elfgen - jenem 700-Seelen-Dörfchen, das Mitte der 1980er Jahre nach seinem schleichenden Tod endgültig dem Braunkohlentagebau zum Opfer fiel. Als die Umsiedlung des Dorfes näher rückte, hielt der Hobby-Fotograf Willy Faßbender mit seiner Kamera das Leben in dem beschaulichen Ort fest und machte Farbfotos, die so noch nie veröffentlicht worden sind.

Der Elfgener Willy Faßbender hat die Umsiedlung miterlebt, verstarb aber 1990 im Alter von nur 65 Jahren im neuen Dorf Elfgen zwischen Laach und Elsen. "Ich habe die Dias damals an mich genommen", erzählt Renate Gisbertz. Die 62-Jährige ist die Stieftochter des Fotografen und zieht jetzt mit ihrem Mann von Erkelenz nach Niedersachsen. "Mir ist wichtig, dass die Fotos für die Nachwelt erhalten bleiben", erzählt Gisbertz, die jedoch keinen engen Bezug mehr zur Stadt Grevenbroich und dem Ort Elfgen hat. Sie wandte sich deshalb kurzerhand mit einigen der alten Aufnahmen an unsere Redaktion.

In den vergangenen 25 Jahre standen die seltenen Fotos, die vermutlich aus den 1970er Jahren stammen, im Keller von Familie Gisbertz. Sie zeigen das bäuerliche Leben in Alt-Elfgen, die Straßen, die Menschen - und auch das Zusammenleben der Bewohner mit dem nahenden Tagebau. Das zeigen einige Fotos, bei denen im Hintergrund die 14 Schornsteine des Frimmersdorfer Kraftwerks zu erkennen sind.

Bis heute erinnern sich viele Zeitzeugen an diese "Nachbarschaft", an das lange Hin und Her bis endlich feststand, dass Elfgen gemeinsam mit dem Jüchener Ort Belmen umgesiedelt werden soll. Mitte der 1980er Jahre wurde das Dorf dem Erdboden gleichgemacht, die Bewohner größtenteils schon Jahre zuvor umgesiedelt.

1985 wurde die Kirche abgerissen, die auf vielen Fotos von Willy Faßbender zu sehen ist. Der Postbeamte stammte offenbar aus einer frommen Familie, die sich am lokalen Brauchtum beteiligt hat. So fotografierte er die für Elfgen typischen, üppigen Fronleichnamsprozessionen, bei denen die Straßen mit Blumenteppichen bedeckt wurden.

Quelle: NGZ
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