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Grevenbroich
Führte ein Kanal rund ums Schloss?

Grevenbroich: Führte ein Kanal rund ums Schloss?
Auf der Schlossbad-Baustelle wurden hunderte Eichenpfähle gefunden, die auf einen mittelalterlichen Spundgraben hinweisen. FOTO: GWG
Grevenbroich. Mehr als 600 archäologische Funde auf der Schlossbad-Baustelle entdeckt. Von Wiljo Piel

Die Ausgrabungen auf dem Gelände des Schlossbades dauern an. Noch ist nicht abzusehen, wann die Archäologen die Baustelle wieder verlassen, sagte gestern Ursula Wolf-Reisdorf, Sprecherin des Versorgers GWG. Nachdem ein Baggerführer vor zwei Monaten mehrere zugespitzte Holzpfähle entdeckte, graben sich die Wissenschaftler um Grabungsleiter Thomas Ibeling durch das Erdreich. "Weit über 600 Funde aus zwei verschiedenen Bauphasen können derzeit dokumentiert werden", erklärte Wolf-Reisdorf auf Anfrage.

Ursprünglich war Thomas Ilbeling davon ausgegangen, dass es sich bei den Holzpfählen um die Reste einer Mühle handeln könnte, die im Mittelalter zwischen der Erft und dem Alten Schloss stand. Diese These sei mittlerweile verworfen worden, heißt es von GWG. Vielmehr sprechen die Archäologen derzeit von einer Spundwand aus dem Hochmittelalter (13. Jahrhundert). Die Funde werden von Mitarbeitern der Universität Köln zurzeit wissenschaftlich untersucht.

Die Spundwand deutet nach aktuellen Erkenntnissen auf einen künstlich angelegten Graben hin, der von der Erft abgeleitet wurde und rund um das Schloss führte, erklärte Wolf-Reisdorf. Welchen Zweck dieser Kanal hatte, ist noch unbekannt. Die Wand besteht aus zugespitzten, senkrecht stehenden Eichenpfählen, die sich im torfigen Sediment gut gehalten haben. Die Pfähle sind mit waagerechten Brettern verbunden.

Auf der Schlossbad-Baustelle wurden hunderte Eichenpfähle gefunden, die auf einen mittelalterlichen Spundgraben hinweisen. FOTO: GWG

Neben Holzresten wurden auch Scherben und eine Pfeilspitze entdeckt, die vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. "Wegen ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit wird die Fundstelle von den Archäologen als hochkarätig bezeichnet", so Wolf-Reisdorf. Das Team wurde zwischenzeitlich vergrößert, zurzeit arbeiten 15 Wissenschaftler gleichzeitig an mehreren Fundstellen.

Zu den durch die Grabung entstehenden Mehrkosten für das neue Schwimmbad will sich der Versorger GWG zurzeit nicht äußern.

Quelle: NGZ
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