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Grevenbroich
Geologischer Detektiv erforscht Klimawandel

Grevenbroich: Geologischer Detektiv erforscht Klimawandel
Wie nach einer Nadel im Heuhaufen wird bei der Beprobung in der Tonrinne nach fossilen Schätzen gesucht. FOTO: Uli Lieven
Grevenbroich. Sein Hobby als Paläontologe betreibt Uli Lieven im Tagebau seit 40 Jahren und so fundiert, dass fossile Funde nach ihm benannt sind. Von Valeska von Dolega

"Fossilien sind Bodendenkmäler", weiß Ulrich "Uli" Lieven. Im Brotberuf ist der gelernte Vermessungsingenieur als Abfall- und Gewässerbeauftragter bei RWE beschäftigt. In allen drei Tagebauten unterwegs zu sein, bedeutet für ihn in Absprache mit den Vorgesetzten auch, wenn immer es seine eigentliche Berufstätigkeit zulässt, nach Herzenslust seinem Hobby nachgehen zu können. Und das ist die Paläontologie - Uli Lieven ist so etwas wie ein Detektiv der Erdgeschichte. Seit 40 Jahren beschäftigt er sich mit fossilen Funden. Und zwar nicht irgendwie und nebenbei, sondern so fundiert, dass einzelne von ihm geborgene Schätze nach ihm benannt sind.

"Das schönste Blatt der Welt", fachsprachlich Liquidamber lievenii genannt, ist einer dieser spektakulären Funde. Auch der Kegelquarzit, eine Art Feuerstein, ist seiner Spürnase zu verdanken, und der Mammutbaum mit einer Länge von 9,50 Metern, 80 Zentimeter Durchmesser und einem Gewicht von knapp fünf Tonnen ist seine Entdeckung. Regelmäßig beliefert Uli Lieven das Ruhr Museum mit seinen Objekten. "Das ist wie beim Angeln: 80 Prozent aller Fische werden von 20 Prozent aller Angler gefischt", beschreibt er die systematische Vorgehensweise. Klar, die gesamte Braunkohle berge fossile Geschichte, erklärt der Fachmann diese "unwiederbringlichen Schätze". Die sind aber nicht bloß spektakulär, sie erklären versunkene Welten und helfen beispielsweise Klimawandel zu verstehen. Denn Forscher beschäftigt die Frage, in welchem Kontext das von ihnen Ausgebuddelte stand. "Bergen, präparieren und konservieren", erläutert Lieven die Systematik seiner Dokumentation. Aus "viel Statistik" besteht die Arbeit am Schreibtisch nach der Freude übers Entdecken, die nicht selten von Wissenschaftlern internationaler Universitäten komplettiert wurde.

Was ausschaut wie eine vielzackige Krone, ist ein Kegelquarzit. In dieser Form und Ausprägung a la Tagebau Garzweiler ist er weltweit einmalig. FOTO: Uli Lieven

Die von der Uni Utrecht durchgeführten Untersuchungen am XXL-Baum beispielsweise ergaben, dass es sich um ein Holz der Gattung "Taxodioxylon" handelt. Sein berühmtester moderner Verwandter ist der Küstenmammutbaum, der an der Pazifikküste Nordkaliforniens und Südoregons steht. Zu wissen, wo der Baum heute wächst, lässt Rückschlüsse auf Klimabedingungen in der Vergangenheit zu. Auch der Kegelquazit, die für den Laien funkelnde Ansammlung kronenartiger Spitzen, ist nicht einfach irgendein Gestein. Bei ihnen handelt es sich um typische Grundwasser-Quarzite mit weltweit einmaliger Form und Ausprägung. In einem ursprünglich tonhaltigen Feinsand entstanden, füllte das neogene Meer sie mit Salzwasser - und jetzt erzählen sie dem interessierten Forscher viel über Veränderungen des Wassers.

Ob beruflich oder privat, am liebsten ist Uli Lieven mit den Händen im Sand, um zu buddeln. Seine private Sammlung umfasst etwa 8000 Stücke, er ist vernetzt mit anderen Sammlern, Wissenschaftlern, Instituten und Museen. Über sein Hobby hält er Vorträge und bittet zur paläontologischen Exkursion entlang des Tagebaus Garzweiler.

"Das schönste Blatt der Welt" ist nach seinem Finder Ulrich Lieven benannt. FOTO: Uli Lieven
Quelle: NGZ
 
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