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Grevenbroich
Grevenbroich bei Kita-Beiträgen über Durchschnitt

Grevenbroich. Grevenbroicher Eltern müssen für die Betreuung ihrer Kinder im Kindergarten überdurchschnittlich tief in die Tasche greifen. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Bundes der Steuerzahler (BdSt) hervor, der die Kita-Gebühren in den 57 größten NRW-Städten für unterschiedliche Einkommen verglichen hat.

Grevenbroich fällt dabei durch den zweithöchsten aller beim Vergleich registrierten Elternbeiträge auf: Für die Betreuung eines unter drei Jahre alten Kindes über 45 Wochenstunden werden in der Schlossstadt in der höchsten Einkommensstufe 792 Euro im Monat fällig. "Das ist schon ein extrem hoher Betrag. Da würde ich mir überlegen, ob ich eine private Betreuung vorziehen würde", sagt Hans-Ulrich Liebern vom BdSt. Ein noch höherer Betrag, 800 Euro, wird lediglich in Arnsberg berechnet.

Auffällig bei der Erhebung des BdSt sind extrem unterschiedliche Gebühren. Eine Bewertung nimmt er nicht vor, "da wir etwa die Ausstattung der Kitas nicht kennen", so Liebern. Im Vergleich der 57 Kommunen liegt Grevenbroich aber bei fast allen der 16 verglichenen Einzelbeiträge über Durchschnitt. Ein Beispiel: Bei einem Kind ab drei Jahren und 40.000 Euro Eltern-Jahreseinkommen erhebt Grevenbroich für 45 Stunden Betreuung 122 Euro. In Neuss sind es (bereits ab über zwei Jahren) nur 67, im Durchschnitt der 57 Kommunen 107 Euro. Ein weiterer Unterschied: Elternbeiträge werden in der Schlossstadt ab 15.000 Jahreseinkommen erhoben, in Neuss erst bei mehr als 25.000 Euro. Dabei hat Grevenbroich auf ihre Fahnen geschrieben, eine familienfreundliche Stadt zu sein.

"Ich finde als Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende traurig, dass wir so hohe Beiträge erheben müssen - zur Familienfreundlichkeit trägt das nicht bei", sagt Heike Troles (CDU). "Wegen unserer schlechten Finanzsituation sind wir zu solchen Beiträgen gezwungen. Wir sind angehalten, 19 Prozent der Kosten durch Eltern-Beiträge zu refinanzieren. Die Stadt erreicht diesen Prozentsatz aber nicht, muss mehrere Millionen Euro dazu geben", erklärt Troles.

Und sie kritisiert: "Wir werden vom Land allein gelassen. Aus dessen Sicht gilt Grevenbroich trotz schwerer Finanzlage als reiche Stadt, soll Kommunalsoli zahlen - während andere, die Unterstützung erhalten, zum Teil geringere Beiträge erheben." So berechnet Essen, eine der Empfänger-Kommunen im Stärkungspakt, in der höchsten Einkommensstufe ab 97.000 Euro erheblich niedrigere Eltern-Beiträge als Grevenbroich. Angesichts der Gebührenunterschiede könnte laut Troles eine Möglichkeit ein "landeseinheitlicher Kindergartenbeitrag" sein. Zudem weist sie darauf hin, dass die Stadt sich 2015 gegen eine Anhebung entschieden habe. Eigentlich sollten aus Kita-Beiträgen 100.000 Euro in die Haushaltssanierung fließen, nach erheblichem Elternprotesten soll eine andere Geldquelle gefunden werden.

(cso-)
 
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