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Grevenbroich
Grevenbroich, gib Kette!

Grevenbroich. Bei seiner Vereidigung zum Bürgermeister wird Klaus Krützen keine Amtskette überreicht. Grevenbroich hat bei der kommunalen Neugliederung 1975 auf eine solche Kette verzichtet. Nur Kaarst ist im Kreis heute ebenfalls "kettenlos", Von Andreas Buchbauer

Wer in Grevenbroich eine Amtskette tragen möchte, der sollte Schützenkönig werden. Wo die Bruderschaften und Vereine für ihre Repräsentanten sehenswertes Königssilber haben, herrscht bei der Stadt gähnende Leere. Bürgermeister Klaus Krützen jedenfalls wird übermorgen bei seiner Vereidigung keine Amtskette als repräsentatives Schmuckstück tragen. Damit reiht sich der 46-Jährige in die lange Riege seiner Vorgänger ein. Zur kommunalen Neugliederung 1975 hat die Stadt Grevenbroich auf die Anschaffung einer Amtskette verzichtet. Das erklärt Stadtsprecherin Ines Hammelstein. Hans Wattler, der von 1975 bis 1979 erster Bürgermeister der Stadt Grevenbroich in ihren heutigen Grenzen war, sowie Hans Gottfried Bernrath (1979 bis 1994), Erich Heckelmann (1994 bis 1999), Theo Hoer (1999 bis 2004), Axel Prümm (2004 bis 2009) und Ursula Kwasny (2009 bis 2015) - sie alle mussten auf den repräsentativen Schmuck verzichten. So nun auch Klaus Krützen, der diesen "Mangel" locker sieht und sagt: "Ich schlafe auch ohne Amtskette ganz gut."

Im Rhein-Kreis Neuss bildet Grevenbroich zusammen mit Kaarst die Ausnahme: In allen anderen Städten und Gemeinden gibt es eine Amtskette, die der Bürgermeister bei feierlichen Anlässen trägt.

Nicht überall aber gibt es sie seit der kommunalen Neugliederung. In Neuss zum Beispiel war es Mitte der 1980er Jahre der damalige Oberbürgermeister Hermann Wilhelm Thywissen, der fand, dass ohne Amtskette etwas fehle - und kurzerhand eine gestiftet hat. Getragen hat er sie aber nicht selbst, sondern erst sein Nachfolger Bertold Reinartz. Eine Lösung nach Neusser Vorbild wäre auch die einzige Möglichkeit für Grevenbroich, eine Amtskette für das Stadtoberhaupt zu bekommen. 40 Jahre nach der kommunalen Neugliederung und damit nach der Geburtsstunde der Schlossstadt in ihrem heutigen Zuschnitt fehlt es im Rathaus am Geld für eine solche Anschaffung. Sie müsste schon gestiftet werden. Selbst für ein Stadtgeschenk mangelte es in Grevenbroich schließlich in den vergangenen Jahren an den erforderlichen finanziellen Mitteln.

Kritiker werden all dies als Luxusproblem bezeichnen. Aber eine Amtskette ist ein Symbol - und steht für die Geschichte einer Stadt. Vor der kommunalen Neugliederung - damals wurden rund 57.000 Einwohner aus den ehemaligen Gemeinden Gustorf, Neurath, Frimmersdorf, Kapellen, Hemmerden, Wevelinghoven und Neukirchen unter dem Grevenbroicher Dach vereinigt - gab es daher auch durchaus den ein oder anderen Bürgermeister, der eine solch repräsentative Kette trug. Das ist im Stadtarchiv bekannt. Über den Verbleib dieser Amtsketten aus der Zeit vor 1975 hingegen weiß man wenig. Das bestätigt Thomas Wolff vom Stadtarchiv. Selbst Bilder, die jene Bürgermeister mit Kette zeigen, sind rar gesät. "Auch im Stadtarchiv findet sich dazu so gut wie nichts", sagt Wolff. Für Heimat- und Geschichtsforscher bietet sich also ein spannenden Betätigungsfeld.

Quelle: NGZ
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