| 14.07 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat in Grevenbroich
Martin Schulz war da – und kaum jemand hat’s bemerkt

Martin Schulz zu Besuch in Grevenbroich
Martin Schulz zu Besuch in Grevenbroich FOTO: Berns, Lothar
Grevenbroich. Martin Schulz hat am Freitag in Grevenbroich die Firma Humintech besucht. Der SPD-Kanzlerkandidat war da – und auch relativ schnell wieder weg. Chronologie eines Kurzauftritts.  Von Wiljo Piel

Der SPD-Kandidat für das Kanzleramt, Martin Schulz, war am Freitagmorgen am Pösenberg, und damit ziemlich weit außerhalb des Zentrums. Die Straße liegt jenseits von Gustorf im Hoheitsgebiet von RWE und ist Sitz der Firma Humintech. Die verwandelt ausgelaugte Böden mit Hilfe von Braunkohle in blühende Landschaften. Das hat sich Schulz einmal angesehen. Allerdings unter dem Hochdruck-Einfluss des Wahlkampf-Endspurts. Er war da – und auch relativ schnell wieder weg.

Empfangen wurde der SPD-Bundesvorsitzende von den Landtagskandidaten Rainer Thiel und Arno Jansen. Und von Daniel Rinkert, der in den Bundestag will. Die warteten gegen 9.15 Uhr schon vor dem Firmengebäude, als Martin Schulz im schwarzen Mercedes und mit einem Tross von Sicherheitsleuten vorfuhr. Händeschütteln unter Genossen – dann führte Müfit Tarhan, Generalmanager des deutsch-türkischen Unternehmens, den Gast durch die Produktionsstätten.

Nächste Station: das Besprechungszimmer von Humintech. Auf dem Weg dorthin ein freundlicher Gruß vom Kanzlerkandidaten an die Mitarbeiterinnen des Verkaufsbüros, dann gingen die Türen zu. Genossen und Unternehmer blieben unter sich, Journalisten mussten draußen bleiben und sich 20 Minuten lang die Zeit mit Kaffee aus der Firmen-Einbauküche vertreiben. Anschließend: kurz auf die Firmentoilette, schnell noch mal mit Firmenmitarbeitern fürs Handyfoto posiert – aber keine Zeit, um Fragen zu beantworten.

Bevor der Kanzlerkandidat wieder im Mercedes verschwand, sprach er lediglich ein Abschluss-Statement: Obwohl im Rheinischen Revier lebend, habe er die in Grevenbroich praktizierte Art der Braunkohle-Verwertung noch nicht gekannt, gab Schulz zu. Das Innovationsprojekt beeindrucke ihn, weil es nicht nur der Region helfe, sondern auch dort, wo es große Probleme in der Ernährungspolitik zu bewältigen gelte.

"Ich habe heute extrem viel gelernt", sagte Schulz. Letztlich seien nach seinem Besuch am Pösenberg aber mehr Fragen als Antworten übrig geblieben – was aber nicht an den Humintech-Vertretern, sondern seinem engen Terminplan gelegen habe. "Ich werde noch mal herkommen, ohne Zeitdruck", sagte Schulz.

Die hiesigen Wahlkämpfer hätten sich sicher einen publikumswirksameren Auftritt des Polit-Promis gewünscht – etwa auf dem Mark, mittendrin in Grevenbroich. In Berlin, so hieß es, sei aber lediglich ein Firmenbesuch in der Schlossstadt gewünscht worden.

 
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