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Nach Attacke in Grevenbroich
Türkischer Vereinschef vermutet PKK-Anhänger hinter Anschlag

Angriff aufs  Büro der UETD in Grevenbroich
Angriff aufs Büro der UETD in Grevenbroich FOTO: Dieter Staniek
Grevenbroich. Nachdem Unbekannte am vergangenen Freitag mit Baseballschlägern auf das Büro eines türkischen Vereins in Grevenbroich losgegangen sind, ermittelt nun der Staatsschutz. Die Mitglieder der "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" sind nach der Attacke schockiert.  Von Carsten Sommerfeld

Die Spurensicherung war am Samstag wieder abgezogen, die Mitglieder der "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" (UETD) konnten wieder ihre Räume an der Dechant-Schütz-Straße nutzen, das beschädigte Sicherheitsglas zeugte von den Attacken am Abend zuvor. Nun ermittelt der Staatsschutz wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, eine politisch motivierte Tat werde "nicht ausgeschlossen".

Am Freitag hatte nach Zeugenberichten eine Gruppe mit rund 20 Personen, mehrere vermummt, brutal versucht, in die Räume einzudringen. Die Täter zertrümmerten die Scheiben wohl mit Baseball-Schlägern und Eisenstangen. Als ein Großaufgebot der Polizei anrückte, war die Gruppe verschwunden. "Im Rahmen der Fahndung haben wir mehrere Personen kontrolliert. Die Ermittlungen sollen zeigen, ob sie mit dem Angriff in Verbindung stehen", sagte Polizeisprecherin Diane Drawe in Neuss. Noch schockiert war am Samstag Tekin Sag, der 46-Jährige ist seit kurzem Vorsitzender der UETD in Grevenbroich. Die hatte zu einer Veranstaltung mit Internet-Blogger Bilgili Üretmen geladen.

"Zum Glück ist niemand verletzt worden"

Der in Soest aufgewachsene Mann nimmt in Videos zu Ereignissen in der Türkei und Deutschland Stellung. In scharfen verbalen Attacken wirft er etwa deutschen Politikern Heuchelei im Umgang mit der Türkei und der kurdischen Arbeiterpartei PKK vor. Zudem fordert er mehr Akzeptanz für Deutschtürken. Beim Überfall am Freitag war Üretmen noch nicht im UEDT-Raum. "Wir warteten auf ihn, 20 bis 25 junge Menschen waren gekommen. Plötzlich hörten wir laute Schläge gegen das Fenster", schildert Tekin Sag. Gesehen hätten sie die Angreifer nicht, "vor dem Fenster hingen Vorhänge". Er habe "Nach hinten!" gerufen und die Tür abgesperrt. "Zum Glück ist niemand verletzt worden", betont Tekin Sag. Als Täter vermutet er "PKK-Symphatisanten". Zeugen berichteten von Abdullah-Öcalan-Rufen (langjähriger Vorsitzender der PKK). Bereits im März hatten Unbekannte einen Molotowcocktail gegen die Scheibe geworfen. "Wir wollen reden und diskutieren, Gewalt darf es nicht geben", betont Sag.

Die UETD, die in der Stadt rund 100 Mitglieder habe, wolle Brücken zwischen Deutschen und Türken bauen. "Ich verurteile den Überfall, es hätte Verletzte geben können", erklärt Ismail Yavuz, Mitglied des Integrationsrates. "Wir werden das Thema in den Integrationsrat bringen, und wir sollten mit Verein, Polizei und Stadt sprechen, wie die Sicherheit verbessert werden kann."

Quelle: NGZ
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