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Grevenbroich
Grevenbroicher erinnern sich an die 50er

Grevenbroich: Grevenbroicher erinnern sich an die 50er
Grevenbroich in den Wirtschaftswunderjahren. Quirliger Mittelpunkt der Schlossstadt war der Markt, auf dem damals noch Autos fuhren. FOTO: Stadtarchiv
Grevenbroich. Zur Ausstellung "Nierentisch und Wirtschafts- wunder" in der Villa Erckens hat Stadtarchivar Thomas Wolf Zeitzeugen zusammengetrommelt. Von Rudolf Barnholt

War früher wirklich alles besser? Stadtarchivar Thomas Wolff kam in der Villa Erckens jetzt passend zur aktuellen Ausstellung "Nierentisch und Wirtschaftswunder" mit Wolfgang Brandt, Günter Cremer, Jürgen Larisch und Clemens Schelhaas ins Gespräch. Alle vier Männer hatten ihre Kindheit und Jugend in den 1950er Jahren in Grevenbroich verbracht. Sie waren aber als Zeitzeugen weit davon entfernt, diese Zeit zu idealisieren.

"Ich bin 1944 eingeschult worden und habe das Kriegsende bewusst miterlebt", sagte Clemens Schelhaas. Der 78-Jährige, der von 1974 bis 1998 das Kreis-Medienzentrum leitete, gestand, die Bombennächte und der allgegenwärtige Mangel habe ihn bis heute sensibilisiert für das Schicksal von Flüchtlingen. "Nach dem Krieg kamen viele Flüchtlinge nach Grevenbroich - sie dürften oft das vermisst haben, was man heute als Willkommenskultur bezeichnet", sagt Schelhaas.

FOTO: Georg Salzburg

Wolfgang Brandt (66), von 1988 bis 2015 Leiter des Stadtarchivs, erinnerte sich an den ersten Fackelzug nach dem Krieg: "Bei einer Fackel wurden die Vertriebenen als Kartoffelkäfer dargestellt." Hart ging er mit den Vertretern der katholischen Kirche ins Gericht: "Pfarrer Meininghaus zeigte keinerlei Bereitschaft zur Ökumene." Die katholische Kirche habe die jungen Leute damals eingeschüchtert. Und die Lehrer? "Wir sind von Ex-Nazis durchgeprügelt worden."

Clemens Schelhaas hat aus dieser Zeit vor allem die Aufbruchstimmung positiv in Erinnerung. Und: "Die Lehrer haben Vorbildliches geleistet. Wir haben viel gelernt, ich kenne bis heute den Satz des Pythagoras." Günter Cremer (70) machte deutlich, wie einfach die Wohnverhältnisse nach dem Krieg waren: "Wir wohnten in einem Vierfamilienhaus, in dem es nur zwei Toiletten gab." Sein Vater war Fernfahrer und hatte nicht immer ein offenes Ohr für die Belange seines pubertierenden Sohnes: "Jung", ich tu mich jetzt waschen und dann geh' ich Karten spielen", habe er oft gesagt.

FOTO: Georg Salzburg

Immerhin fand er ein "Finanzierungsmodell" für die von seinem Filius heiß ersehnte Gitarre. Barzahlung war unmöglich, Cremer verdiente 90 Mark im Monat als Dreher-Lehrling. Der Gitarrenunterricht bei Heinz Flohe in Noithausen kostete drei Mark die Stunde. Cremer, der später in den Bands "Savage Ghosts"und "The Vampirs" spielte, erinnerte an die 700 Wohnungen, die der Bauverein errichtet hatte. "Zur Normalausstattung gehörten fließendes Wasser, ein WC in oder an der Wohnung, die maximal 62 Quadratmeter groß sein durfte sowie eine Steckdose pro Zimmer."

Wolfgang Brandt war klar im Vorteil, wenn er ins Kino wollte: "Zwei Kinos gehörten meiner Tante Trud." Und: "Wenn man knutschen wollte, ging man nach Elsen ins Kino, da wurde man nicht so schnell erkannt." Es gab auch mehr Kneipen damals und sie waren gut besucht. "Wenn man in jeder Kneipe ein Bier bestellt hatte, war man betrunken", sagte Jürgen Larisch (66).

FOTO: Georg Salzburg
Quelle: NGZ
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